WEBVTT

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00:00:01.170 --> 00:00:31.390
Und herzlich willkommen bei Körper und Seele. Deinem Gesundheitspodcast. Hier ist Patrick vom Vitalis Zentrum. Schön, dass du heute wieder dabei bist. In der letzten Folge haben wir uns mit einer Frage beschäftigt, die wahrscheinlich jeden von uns betrifft. Warum fällt es uns so schwer, unsere Gefühle zuzulassen?

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00:00:32.630 --> 00:00:37.130
Wir haben darüber gesprochen, dass wir manche Gefühle sehr gerne in unserem Leben haben.

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00:00:38.180 --> 00:00:43.300
Freude, Zufriedenheit, Leichtigkeit, Begeisterung.

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00:00:43.560 --> 00:00:50.340
Und dass es gleichzeitig andere Gefühle gibt, die wir am liebsten möglichst schnell wieder loswerden würden.

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00:00:51.610 --> 00:00:58.290
Angst, Traurigkeit, Wut, Enttäuschung, Überforderung.

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00:01:00.030 --> 00:01:03.390
Wir haben darüber gesprochen, dass Gefühle nicht automatisch unsere Feinde sind.

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00:01:03.390 --> 00:01:09.850
dass wir ihnen nicht blind folgen müssen aber dass es sich manchmal lohnt ihnen zuzuhören

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00:01:09.850 --> 00:01:18.270
und vielleicht einmal zu fragen was möchtest du mir gerade zeigen die reflexionsfrage aus der

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00:01:18.270 --> 00:01:26.470
letzten folge war deshalb welches gefühl versuchst du in deinem leben am häufigsten wegzudrücken und

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00:01:26.470 --> 00:01:32.840
was würde passieren wenn du ihm einmal zuhören würdest statt es sofort loswerden zu wollen

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00:01:34.850 --> 00:01:38.730
Vielleicht hast du in den vergangenen Tagen einmal darüber nachgedacht.

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00:01:40.480 --> 00:01:48.040
Vielleicht ist dir sogar eine Situation aufgefallen, in der du gemerkt hast, eigentlich fühle ich gerade etwas.

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00:01:49.100 --> 00:01:51.140
Aber ich möchte nicht, dass jemand anderes es sieht.

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00:01:52.710 --> 00:01:55.830
Und genau dort beginnt für mich die heutige Folge.

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00:01:56.110 --> 00:02:03.530
Denn vielleicht gibt es noch einen weiteren Grund, warum wir manche Gefühle so schwer zulassen können.

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00:02:04.730 --> 00:02:10.930
Vielleicht haben wir irgendwann gelernt, dass bestimmte Gefühle nicht zu dem Bild passen,

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00:02:11.430 --> 00:02:14.650
das wir von uns selbst oder andere von uns haben sollen.

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00:02:15.850 --> 00:02:20.530
Wir möchten stark sein, belastbar, zuverlässig.

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00:02:21.310 --> 00:02:23.190
Wir möchten unser Leben im Griff haben.

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00:02:24.470 --> 00:02:25.790
Wir möchten für andere da sein.

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00:02:27.130 --> 00:02:28.230
Wir möchten funktionieren.

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00:02:29.440 --> 00:02:30.860
Und vielleicht kennst du diesen Satz.

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00:02:31.620 --> 00:02:32.640
Ich muss stark sein.

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00:02:34.010 --> 00:02:36.970
Vielleicht hast du ihn sogar selbst schon einmal gedacht.

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00:02:38.440 --> 00:02:40.480
Wenn es jemandem in deiner Familie nicht gut ging,

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00:02:41.480 --> 00:02:43.720
wenn du Verantwortung für andere Menschen getragen hast,

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00:02:44.780 --> 00:02:46.400
wenn es auf der Arbeit schwierig wurde,

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00:02:48.140 --> 00:02:50.220
wenn eine Beziehung zu Ende gegangen ist,

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00:02:52.330 --> 00:02:53.870
wenn du einen Verlust erlebt hast.

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00:02:54.960 --> 00:03:00.100
Oder vielleicht auch einfach in einer Phase, in der eigentlich alles zu viel war.

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00:03:01.350 --> 00:03:02.870
Ich muss jetzt stark sein.

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00:03:03.150 --> 00:03:07.410
Dieser Satz klingt zunächst einmal kraftvoll.

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00:03:08.640 --> 00:03:11.180
Und manchmal kann er uns tatsächlich helfen.

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00:03:12.720 --> 00:03:15.840
Es gibt Situationen im Leben, in denen wir Dinge tragen müssen.

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00:03:16.760 --> 00:03:18.160
In denen wir Verantwortung übernehmen.

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00:03:19.580 --> 00:03:22.400
In denen wir weitermachen, obwohl es gerade schwierig ist.

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00:03:23.310 --> 00:03:24.930
Und daran ist überhaupt nichts falsch.

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00:03:25.570 --> 00:03:27.590
Stärke ist etwas Wertvolles.

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00:03:27.890 --> 00:03:32.490
Die spannende Frage ist für mich deshalb nicht, warum sind wir stark?

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00:03:33.210 --> 00:03:38.860
Sondern, was passiert, wenn wir glauben, dass wir immer stark sein müssen?

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00:03:39.800 --> 00:03:45.780
Wenn aus, ich kann das tragen, irgendwann wird, ich muss das alleine tragen.

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00:03:46.920 --> 00:03:54.050
Wenn aus, ich schaffe das, irgendwann wird, niemand darf merken, dass es mir gerade zu viel ist.

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00:03:54.530 --> 00:04:00.720
Und wenn aus Stärke vielleicht irgendwann eine Rolle wird, die wir gar nicht mehr ablegen können.

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00:04:02.750 --> 00:04:04.730
Stell dir einmal vor, du trägst einen schweren Rucksack.

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00:04:05.860 --> 00:04:07.540
Am Anfang geht es vielleicht ganz gut.

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00:04:08.500 --> 00:04:11.180
Du läufst los, du gewöhnst dich an das Gewicht.

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00:04:12.000 --> 00:04:17.000
Und wenn dich jemand fragt, soll ich dir etwas abnehmen, sagst du, nein, geht schon.

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00:04:18.010 --> 00:04:18.850
Also läufst du weiter.

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00:04:19.950 --> 00:04:23.030
Der Weg wird länger, der Rucksack wird schwerer.

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00:04:23.980 --> 00:04:27.580
Und irgendwann fragt wieder jemand, brauchst du Hilfe?

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00:04:28.620 --> 00:04:31.240
Und wieder sagst du, nein, alles gut.

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00:04:31.720 --> 00:04:34.960
Vielleicht nicht einmal deshalb, weil wirklich alles gut ist,

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00:04:35.660 --> 00:04:41.440
sondern weil du dich inzwischen daran gewöhnt hast, derjenige zu sein, der seinen Rucksack selbst trägt.

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00:04:43.430 --> 00:04:48.670
Vielleicht bist du sogar der Mensch, der unterwegs noch die Rucksäcke anderer Menschen mitnimmt.

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00:04:49.510 --> 00:04:50.630
Weil du helfen möchtest.

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00:04:51.520 --> 00:04:52.700
Weil du zuverlässig bist.

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00:04:53.660 --> 00:04:55.780
Weil andere sich auf dich verlassen.

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00:04:55.920 --> 00:05:03.300
Und vielleicht merkt irgendwann niemand mehr, wie schwer dein eigener Rucksack eigentlich geworden ist.

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00:05:04.660 --> 00:05:05.820
Vielleicht nicht einmal du selbst.

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00:05:07.410 --> 00:05:09.670
Ich glaube, genau das erleben unglaublich viele Menschen.

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00:05:10.780 --> 00:05:21.540
Sie funktionieren, sie kümmern sich, sie organisieren, sie arbeiten, sie hören anderen zu, sie lösen Probleme.

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00:05:23.040 --> 00:05:26.080
Und von außen betrachtet wirken sie unglaublich stark.

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00:05:28.190 --> 00:05:36.360
Doch vielleicht gibt es abends diesen einen Moment, wenn niemand mehr etwas von ihnen braucht, wenn es ruhig wird.

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00:05:36.740 --> 00:05:42.330
Und plötzlich merken sie, eigentlich kann ich gerade nicht mehr.

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00:05:43.300 --> 00:05:45.460
Aber selbst dann kommt vielleicht sofort die nächste Stimme.

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00:05:45.560 --> 00:05:51.900
Stell dich nicht so an. Andere schaffen das doch auch. Du musst da jetzt durch.

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00:05:53.380 --> 00:06:00.200
Du kannst jetzt nicht schwach werden. Und genau da finde ich eine Frage unglaublich spannend.

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00:06:01.490 --> 00:06:06.850
Was bedeutet schwach eigentlich? Ist es schwach zu sagen, mir ist es gerade zu viel?

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00:06:08.440 --> 00:06:13.980
Ist es schwach zu weinen? Ist es schwach nicht sofort eine Lösung zu haben?

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00:06:14.480 --> 00:06:22.380
Ist es schwach zuzugeben, dass man Angst hat? Ist es schwach eine Pause zu brauchen?

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00:06:24.480 --> 00:06:28.140
Oder ist es vielleicht manchmal sogar unglaublich mutig, genau das auszusprechen.

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00:06:30.100 --> 00:06:33.520
Vielleicht haben wir Stärke irgendwann mit etwas verwechselt.

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00:06:34.550 --> 00:06:42.220
Mit Durchhalten, mit Funktionieren, mit Kontrolle, mit Ich brauche niemanden.

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00:06:43.810 --> 00:06:46.210
Doch vielleicht ist Stärke viel größer als das.

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00:06:47.870 --> 00:06:51.390
Vielleicht kann ein Mensch unglaublich stark sein und trotzdem verletzlich.

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00:06:53.050 --> 00:06:57.030
Vielleicht kann ein Mensch Verantwortung übernehmen und trotzdem sagen,

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00:06:57.630 --> 00:06:58.990
ich brauche gerade Unterstützung.

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00:07:01.130 --> 00:07:05.910
Vielleicht kann jemand für andere da sein und gleichzeitig selbst jemanden brauchen.

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00:07:08.060 --> 00:07:14.740
Und vielleicht kann ein Mensch sogar sagen, ich weiß gerade nicht weiter, ohne deshalb schwach zu sein.

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00:07:16.310 --> 00:07:20.610
Denn Stärke und Verletzlichkeit müssen vielleicht gar keine Gegensätze sein.

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00:07:22.650 --> 00:07:25.850
Vielleicht haben wir nur irgendwann gelernt, sie so zu betrachten.

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00:07:26.190 --> 00:07:31.240
Und genau deshalb möchte ich heute gemeinsam mit dir einer Frage nachgehen.

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00:07:32.920 --> 00:07:35.780
Warum glauben wir eigentlich, immer stark sein zu müssen?

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00:07:37.060 --> 00:07:38.080
Woher kommt dieser Druck?

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00:07:39.830 --> 00:07:44.810
Warum fällt es manchen Menschen so schwer, die starke Rolle auch einmal abzulegen?

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00:07:45.990 --> 00:07:50.810
Und was passiert eigentlich mit uns, wenn wir über Jahre versuchen, für jeden stark zu sein,

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00:07:51.550 --> 00:07:53.010
nur nicht ehrlich zu uns selbst?

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00:07:53.430 --> 00:07:59.060
Denn vielleicht besteht wirkliche Stärke gar nicht darin, niemals etwas fallen zu lassen.

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00:08:00.580 --> 00:08:05.980
Vielleicht besteht sie manchmal auch darin, zu erkennen, wann etwas zu schwer geworden ist

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00:08:05.980 --> 00:08:08.000
um es weiterhin alleine zu tragen.

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00:08:10.340 --> 00:08:12.620
Aber woher kommt eigentlich dieser Gedanke, ich muss stark sein?

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00:08:14.260 --> 00:08:17.560
Ich glaube, dafür gibt es nicht die eine Antwort.

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00:08:18.590 --> 00:08:21.630
Manche Menschen haben vielleicht schon sehr früh Verantwortung übernommen.

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00:08:22.750 --> 00:08:27.350
Für Geschwister, für die Familie, für andere Menschen.

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00:08:29.080 --> 00:08:33.260
Andere haben irgendwann erlebt, wenn ich funktioniere, bekomme ich Anerkennung.

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00:08:34.430 --> 00:08:37.830
Dann hören wir Sätze wie, auf dich kann man sich immer verlassen.

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00:08:39.060 --> 00:08:40.080
Du kriegst das schon hin.

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00:08:41.020 --> 00:08:41.820
Du bist doch stark.

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00:08:43.040 --> 00:08:46.040
Und natürlich sind solche Sätze zunächst einmal etwas Schönes.

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00:08:46.980 --> 00:08:49.940
Es tut gut, wenn andere Menschen uns etwas zutrauen.

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00:08:51.900 --> 00:08:54.960
Doch vielleicht kann daraus irgendwann auch eine Rolle entstehen.

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00:08:56.130 --> 00:08:58.770
Die Rolle des Menschen, der immer alles im Griff hat.

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00:09:00.140 --> 00:09:02.140
Derjenige, der die Probleme löst.

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00:09:03.500 --> 00:09:04.640
Derjenige, der zuhört.

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00:09:06.060 --> 00:09:07.600
Derjenige, der weitermacht.

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00:09:09.490 --> 00:09:12.350
Derjenige, um den man sich keine Sorgen machen muss.

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00:09:14.140 --> 00:09:20.100
Und je länger wir diese Rolle tragen, desto schwieriger kann es vielleicht werden, sie auch einmal abzulegen.

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00:09:21.370 --> 00:09:24.660
Denn plötzlich geht es nicht mehr nur darum, stark zu sein.

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00:09:26.040 --> 00:09:30.300
Es geht darum, das Bild aufrecht zu erhalten, das andere von uns haben.

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00:09:32.940 --> 00:09:36.860
Vielleicht kennst du einen Menschen, bei dem jeder sagt, der schafft das schon.

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00:09:38.460 --> 00:09:41.480
Und vielleicht ist genau dieser Satz manchmal das Problem.

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00:09:42.720 --> 00:09:48.860
Denn wenn alle glauben, dass du alles schaffst, fragt irgendwann vielleicht niemand mehr, wie geht es dir eigentlich wirklich.

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00:09:51.110 --> 00:09:54.550
Und manchmal fragen wir es uns selbst nicht einmal mehr.

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00:09:56.080 --> 00:09:59.640
Ich finde, man kann sich das ein bisschen wie eine Säule vorstellen.

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00:10:00.870 --> 00:10:06.470
Eine Säule trägt, sie hält etwas, andere können sich auf sich verlassen.

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00:10:06.810 --> 00:10:13.870
Aber niemand schaut eine Säule an und fragt, wie viel Gewicht kannst du eigentlich noch tragen.

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00:10:15.140 --> 00:10:16.860
Wir sehen nur, sie steht.

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00:10:16.920 --> 00:10:21.690
Und solange sie steht, gehen wir davon aus, dass alles in Ordnung ist.

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00:10:21.690 --> 00:10:26.820
Vielleicht machen wir das mit Menschen manchmal genauso.

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00:10:26.820 --> 00:10:35.440
Wir sehen jemanden arbeiten, lachen, sich kümmern, seinen Alltag erledigen und denken,

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00:10:35.440 --> 00:10:42.440
dem geht es gut. Aber Funktionieren und Wohlbefinden sind nicht immer dasselbe.

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00:10:42.440 --> 00:10:47.270
Und vielleicht machen wir genau diesen Fehler auch bei uns selbst.

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00:10:48.760 --> 00:11:01.740
Solange wir morgens aufstehen, solange wir zur Arbeit gehen, solange wir unsere Aufgaben erledigen, solange wir für andere da sind, denken wir, es geht doch noch.

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00:11:02.530 --> 00:11:06.170
Doch, es geht noch. Ist etwas anderes als, es geht mir gut.

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00:11:07.100 --> 00:11:11.840
Und genau deshalb finde ich es wichtig, dass wir Stärke nicht nur daran messen, wie viel ein Mensch aushält.

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00:11:11.840 --> 00:11:20.400
Denn vielleicht ist die viel wichtigere Frage, warum glauben wir überhaupt, dass wir unseren Wert dadurch beweisen müssen, wie viel wir tragen können.

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00:11:22.240 --> 00:11:25.300
Manchmal steckt dahinter vielleicht die Angst, andere zu enttäuschen.

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00:11:26.690 --> 00:11:28.930
Manchmal die Sorge zur Belastung zu werden.

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00:11:30.290 --> 00:11:35.770
Oder der Gedanke, andere haben selbst genug Probleme, ich möchte ihnen nicht auch noch meine aufladen.

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00:11:36.740 --> 00:11:41.450
Und dann sagen wir, alles gut, obwohl gar nicht alles gut ist.

131
00:11:42.610 --> 00:11:48.280
Wir lächeln, wir machen weiter und vielleicht passiert etwas Interessantes.

132
00:11:50.010 --> 00:11:52.490
Je überzeugender wir darin werden, stark zu wirken,

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00:11:53.310 --> 00:11:57.510
desto weniger sehen andere Menschen, dass wir eigentlich Unterstützung gebrauchen könnten.

134
00:11:59.250 --> 00:12:03.410
Es ist ein bisschen so, wie bei einem Schauspieler, der seine Rolle so lange gespielt hat,

135
00:12:04.250 --> 00:12:07.450
dass irgendwann niemand mehr weiß, wie es hinter der Bühne aussieht.

136
00:12:07.850 --> 00:12:11.760
Und vielleicht weiß er es irgendwann selbst nicht mehr so genau.

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00:12:13.930 --> 00:12:18.810
Deshalb glaube ich, dass wir uns hin und wieder eine ganz einfache Frage stellen dürfen.

138
00:12:20.550 --> 00:12:24.750
Bin ich gerade wirklich stark oder versuche ich nur stark zu wirken?

139
00:12:27.000 --> 00:12:28.240
Denn das ist nicht dasselbe.

140
00:12:29.000 --> 00:12:31.600
Wirkliche Stärke darf vielleicht auch ehrlich sein.

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00:12:33.330 --> 00:12:36.430
Sie darf sagen, heute geht es mir nicht gut.

142
00:12:38.000 --> 00:12:38.980
Das hat mich verletzt.

143
00:12:40.650 --> 00:12:42.190
Ich weiß gerade nicht weiter.

144
00:12:42.550 --> 00:12:45.260
Ich brauche einen Moment.

145
00:12:47.550 --> 00:12:50.370
Und vielleicht verliere mir dadurch gar keine Stärke.

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00:12:51.300 --> 00:12:54.920
Vielleicht hören wir nur auf, sie ständig beweisen zu müssen.

147
00:12:57.020 --> 00:12:59.920
Und genau dazu fällt mir ein Beispiel aus meiner Arbeit ein.

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00:13:01.370 --> 00:13:05.630
Ich hatte einmal einen Menschen vor mir sitzen, der nach außen unglaublich gefestigt wirkte.

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00:13:06.440 --> 00:13:10.080
Beruflich viel Verantwortung, privat für viele Menschen da.

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00:13:10.520 --> 00:13:17.360
Wenn irgendwo ein Problem auftauchte, war er meistens einer der Ersten, der versucht hat, eine Lösung zu finden.

151
00:13:18.920 --> 00:13:21.980
Und im Gespräch fiel immer wieder ein Satz.

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00:13:22.640 --> 00:13:23.640
Das kriege ich schon hin.

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00:13:23.860 --> 00:13:28.690
Egal, worüber wir gesprochen haben, das kriege ich schon hin.

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00:13:28.690 --> 00:13:34.970
Irgendwann habe ich ihn gefragt, und wer ist eigentlich für dich da, wenn du es mal nicht hinkriegst?

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00:13:34.970 --> 00:13:39.850
Und da wurde es plötzlich still.

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00:13:39.850 --> 00:13:41.850
Nicht weil es darauf überhaupt keine Antwort gab,

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00:13:41.850 --> 00:13:47.300
sondern ich glaube, weil diese Frage in seinem Leben kaum eine Rolle gespielt hatte.

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00:13:47.300 --> 00:13:52.460
Er war es gewohnt, gebraucht zu werden, aber nicht daran, selbst jemanden zu brauchen.

159
00:13:52.460 --> 00:13:56.870
Und ich finde, genau darin steckt etwas unglaublich Spannendes.

160
00:13:58.180 --> 00:14:01.800
Denn manchmal gibt uns die Rolle des Starken auch Sicherheit.

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00:14:03.280 --> 00:14:08.750
Wenn ich derjenige bin, der anderen hilft, muss ich meine eigene Hilflosigkeit vielleicht nicht zeigen.

162
00:14:10.760 --> 00:14:16.220
Wenn ich Lösungen für andere finde, muss ich nicht sagen, dass ich selbst gerade keine habe.

163
00:14:16.660 --> 00:14:24.100
Und wenn ich immer sage, ich schaffe das, muss ich mich vielleicht auch nicht mit der Möglichkeit beschäftigen,

164
00:14:24.660 --> 00:14:25.920
dass ich etwas gerade nicht schaffe.

165
00:14:28.200 --> 00:14:30.220
Dabei ist dieser Satz eigentlich völlig menschlich.

166
00:14:31.370 --> 00:14:32.810
Ich schaffe das gerade nicht alleine.

167
00:14:33.210 --> 00:14:38.330
Aber für manche Menschen fühlt er sich beinahe wie ein Versagen an.

168
00:14:39.680 --> 00:14:41.560
Und vielleicht liegt ja noch hier ein Missverständnis.

169
00:14:42.700 --> 00:14:44.640
Denn stell dir einmal einen Bergsteiger vor.

170
00:14:45.600 --> 00:14:49.120
Würdest du sagen, er ist schwach, weil er sich an seinem Seil sichert?

171
00:14:50.560 --> 00:14:54.940
Würdest du sagen, er ist schwach, weil er einem anderen Menschen die Hand reicht?

172
00:14:55.910 --> 00:14:59.290
Oder weil er merkt, diesen Abschnitt gehe ich besser nicht alleine?

173
00:15:00.430 --> 00:15:01.390
Wahrscheinlich nicht, oder?

174
00:15:02.280 --> 00:15:03.160
Im Gegenteil.

175
00:15:03.760 --> 00:15:06.820
Vielleicht würden wir sogar sagen, er kennt seine Grenzen.

176
00:15:07.780 --> 00:15:09.300
Er schätzt die Situation ein.

177
00:15:10.160 --> 00:15:12.620
Und er übernimmt Verantwortung für sich.

178
00:15:14.260 --> 00:15:17.720
Warum bewerten wir genau dasselbe bei uns selbst manchmal so anders?

179
00:15:19.360 --> 00:15:22.560
Warum soll es Stärke sein, möglichst lange alles alleine auszuhalten?

180
00:15:24.180 --> 00:15:27.900
Vielleicht zeigt sich Stärke manchmal gerade darin, ehrlich zu erkennen,

181
00:15:28.480 --> 00:15:30.300
bis hierhin konnte ich es alleine tragen.

182
00:15:30.820 --> 00:15:32.420
Aber jetzt brauche ich jemanden.

183
00:15:32.680 --> 00:15:37.760
Bei den Menschen aus meinem Beispiel ging es deshalb am Ende gar nicht darum, weniger stark zu werden.

184
00:15:38.670 --> 00:15:42.110
Das fand ich besonders wichtig, denn seine Stärke war etwas Schönes.

185
00:15:43.030 --> 00:15:49.270
Seine Zuverlässigkeit, seine Hilfsbereitschaft, seine Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen.

186
00:15:50.230 --> 00:15:51.990
All das musste nicht verschwinden.

187
00:15:53.010 --> 00:15:54.290
Es durfte nur etwas dazukommen.

188
00:15:55.800 --> 00:15:58.900
Die Erlaubnis, nicht immer der Starke sein zu müssen.

189
00:16:00.060 --> 00:16:02.640
Und vielleicht ist das ein wichtiger Unterschied.

190
00:16:02.860 --> 00:16:05.160
Wir müssen unsere Stärke nicht ablegen.

191
00:16:06.160 --> 00:16:08.080
Wir dürfen unser Bild von Stärke erweitern.

192
00:16:08.080 --> 00:16:12.660
Vielleicht ist Stärke nicht nur, ich halte durch

193
00:16:12.660 --> 00:16:16.340
Vielleicht ist Stärke auch, ich bin ehrlich

194
00:16:16.340 --> 00:16:21.280
Vielleicht ist Stärke nicht nur, ich helfe dir

195
00:16:21.280 --> 00:16:25.000
Sondern manchmal auch, kannst du mir helfen?

196
00:16:26.820 --> 00:16:30.820
Und vielleicht ist Stärke nicht nur, ich habe alles unter Kontrolle

197
00:16:30.820 --> 00:16:34.630
Sondern auch, ich weiß gerade nicht weiter

198
00:16:34.630 --> 00:16:38.990
Denn wenn Stärke nur bedeutet, niemals jemanden zu brauchen

199
00:16:38.990 --> 00:16:41.590
Dann kann sie irgendwann ziemlich einsam werden

200
00:16:43.560 --> 00:16:46.120
Und vielleicht ist genau das die Frage, die wir uns stellen dürfen.

201
00:16:47.990 --> 00:16:54.410
Was kostet es uns eigentlich, wenn wir unser ganzes Leben versuchen, für alle anderen der starke Mensch zu sein?

202
00:16:55.600 --> 00:16:58.200
Denn vielleicht tragen wir dann irgendwann nicht nur einen schweren Rucksack.

203
00:16:59.990 --> 00:17:04.770
Vielleicht sorgen wir gleichzeitig dafür, dass niemand überhaupt weiß, dass es schwer ist.

204
00:17:07.610 --> 00:17:09.610
Und genau an diesem Punkt möchte ich noch eine Frage stellen.

205
00:17:10.830 --> 00:17:16.500
Was passiert eigentlich mit unserem Bild von uns selbst, wenn wir einmal nicht stark sein können?

206
00:17:16.500 --> 00:17:30.930
wenn wir nicht funktionieren, wenn wir keine Lösung haben, wenn wir müde sind, wenn wir weinen, wenn wir sagen müssen, ich kann gerade nicht.

207
00:17:33.090 --> 00:17:40.700
Vielleicht ist genau das für manche Menschen so schwer, weil Stärke irgendwann nicht mehr nur etwas ist, das sie haben,

208
00:17:42.090 --> 00:17:44.350
sondern etwas, das sie glauben, sein zu müssen.

209
00:17:46.000 --> 00:17:47.620
Ich bin derjenige, der alles schafft.

210
00:17:48.840 --> 00:17:51.260
Ich bin diejenige, die immer für alle da ist.

211
00:17:52.580 --> 00:17:54.840
Ich bin derjenige, der nicht zusammenbricht.

212
00:17:56.370 --> 00:18:01.830
Und dann fühlt sich ein Moment der Schwäche plötzlich nicht mehr nur wie ein schwieriger Moment an.

213
00:18:03.420 --> 00:18:07.980
Er fühlt sich vielleicht an, als würde etwas an unserem gesamten Selbstbild wackeln.

214
00:18:08.420 --> 00:18:15.880
Doch vielleicht dürfen wir uns einmal fragen, wer bin ich eigentlich, wenn ich gerade nichts leisten muss?

215
00:18:16.880 --> 00:18:18.280
Wenn ich niemandem helfen muss?

216
00:18:19.640 --> 00:18:21.140
Wenn ich kein Problem lösen muss?

217
00:18:22.940 --> 00:18:24.580
Wenn ich nicht funktionieren muss?

218
00:18:25.600 --> 00:18:26.780
Bin ich dann weniger wertvoll?

219
00:18:27.120 --> 00:18:34.540
Natürlich würden die meisten von uns wahrscheinlich sofort sagen, nein, aber leben wir auch danach.

220
00:18:35.430 --> 00:18:38.350
Denn bei anderen Menschen fällt uns das oft viel leichter.

221
00:18:39.530 --> 00:18:46.650
Wenn ein Mensch, den wir lieben, zu uns sagt, ich kann gerade nicht mehr, würden wir wahrscheinlich nicht antworten, dann bist du aber ziemlich schwach.

222
00:18:47.700 --> 00:18:50.780
Wir würden vielleicht sagen, komm, setz dich erst einmal.

223
00:18:52.170 --> 00:18:53.250
Erzähl mir was los ist.

224
00:18:54.890 --> 00:18:55.590
Ich bin da.

225
00:18:57.510 --> 00:19:02.600
Warum fällt es uns dann so schwer, uns selbst dieselbe Menschlichkeit zu erlauben?

226
00:19:04.770 --> 00:19:08.590
Vielleicht, weil wir Stärke mit Unverwundbarkeit verwechselt haben.

227
00:19:09.440 --> 00:19:11.380
Doch kein Mensch ist unverwundbar.

228
00:19:12.740 --> 00:19:14.220
Und vielleicht müssen wir das auch gar nicht sein.

229
00:19:15.760 --> 00:19:17.660
Stell dir einmal einen Baum im Sturm vor.

230
00:19:18.460 --> 00:19:23.980
Ein stabiler Baum steht fest, aber seine Äste bewegen sich trotzdem im Wind.

231
00:19:24.340 --> 00:19:27.930
Sie geben nach, sie bewegen sich mit.

232
00:19:29.580 --> 00:19:33.740
Denn etwas, das unter keinen Umständen nachgeben darf, kann irgendwann brechen.

233
00:19:35.280 --> 00:19:36.940
Vielleicht ist es bei uns Menschen ähnlich.

234
00:19:38.260 --> 00:19:40.620
Stärke muss nicht bedeuten, vollkommen unbeweglich zu sein.

235
00:19:42.330 --> 00:19:53.360
Vielleicht gehört zur Stärke auch die Fähigkeit nachzugeben, eine Pause zu machen, sich anzulehnen, etwas abzugeben.

236
00:19:53.740 --> 00:19:59.600
Oder einfach einmal zu sagen, heute bin ich nicht derjenige, der alles trägt.

237
00:20:01.220 --> 00:20:04.940
Und vielleicht passiert dann etwas, wovor wir manchmal Angst haben.

238
00:20:06.760 --> 00:20:08.300
Andere sehen uns verletzlich.

239
00:20:09.920 --> 00:20:11.920
Sie sehen, dass wir nicht alles können.

240
00:20:13.080 --> 00:20:14.840
Dass wir nicht immer eine Antwort haben.

241
00:20:16.330 --> 00:20:17.650
Dass wir sie sogar vielleicht brauchen.

242
00:20:19.140 --> 00:20:22.420
Aber vielleicht verlieren wir dadurch gar nicht den Respekt anderer Menschen.

243
00:20:23.570 --> 00:20:28.730
Vielleicht entsteht dadurch manchmal sogar etwas, das vorher gar nicht möglich war.

244
00:20:29.950 --> 00:20:30.630
Echte Nähe.

245
00:20:31.050 --> 00:20:34.670
Denn solange wir anderen immer nur unsere starke Seite zeigen,

246
00:20:35.170 --> 00:20:37.790
Können Sie vielleicht auch nur dieser Seite von uns begegnen?

247
00:20:39.170 --> 00:20:41.810
Wenn wir dagegen sagen, mir geht es gerade nicht gut,

248
00:20:42.830 --> 00:20:46.450
geben wir einem anderen Menschen überhaupt erst die Möglichkeit, für uns da zu sein.

249
00:20:48.370 --> 00:20:53.650
Und vielleicht ist genau das eine der schwierigsten Erkenntnisse für Menschen, die ihr Leben lang stark waren.

250
00:20:54.820 --> 00:20:56.400
Du darfst auch einmal getragen werden.

251
00:20:57.990 --> 00:20:59.770
Du musst nicht immer derjenige sein, der trägt.

252
00:21:01.390 --> 00:21:02.570
Du darfst Hilfe brauchen.

253
00:21:03.890 --> 00:21:05.390
Du darfst einen schlechten Tag haben.

254
00:21:07.040 --> 00:21:08.320
Du darfst nicht weiter wissen.

255
00:21:08.660 --> 00:21:11.290
Du darfst verletzlich sein.

256
00:21:11.570 --> 00:21:18.190
Und nichts davon nimmt dir deine Stärke. Vielleicht macht es deine Stärke sogar menschlicher.

257
00:21:19.960 --> 00:21:24.380
Denn wirkliche Stärke zeigt sich vielleicht nicht darin, dass uns niemals etwas zu Boden bringt,

258
00:21:25.700 --> 00:21:29.820
sondern darin, dass wir uns erlauben, auch dort ein Mensch zu bleiben.

259
00:21:30.960 --> 00:21:35.700
Mit allem, was dazu gehört. Mit Kraft, aber auch mit Erschöpfung.

260
00:21:36.750 --> 00:21:44.610
Mit Mut, aber auch mit Angst. Mit Sicherheit, aber manchmal eben auch mit Zweifel.

261
00:21:46.140 --> 00:21:48.500
Vielleicht müssen wir also gar nicht lernen, weniger stark zu sein.

262
00:21:49.460 --> 00:21:54.260
Vielleicht dürfen wir einfach aufhören zu glauben, dass Stärke bedeutet, niemals schwach sein zu dürfen.

263
00:21:55.810 --> 00:21:59.350
Und genau dazu möchte ich dir heute wieder eine Reflexionsfrage mitgeben.

264
00:22:01.260 --> 00:22:05.300
In welchem Bereich deines Lebens glaubst du, immer stark sein zu müssen?

265
00:22:06.520 --> 00:22:10.300
Und was, glaubst du, würde passieren, wenn du es einmal nicht wärst?

266
00:22:12.470 --> 00:22:23.220
Vielleicht ist es in deiner Familie, in deiner Partnerschaft, bei deinen Kindern, im Beruf, in deinem Freundeskreis.

267
00:22:24.390 --> 00:22:29.270
Oder vielleicht bist du sogar der Mensch, bei dem alle anderen ihre Sorgen abladen,

268
00:22:30.410 --> 00:22:33.470
während kaum jemand weiß, wie es eigentlich in dir aussieht.

269
00:22:35.660 --> 00:22:37.860
Beobachte dich in den nächsten Tagen vielleicht einfach einmal.

270
00:22:38.970 --> 00:22:43.610
Wann sagst du, alles gut, obwohl eigentlich gar nicht alles gut ist?

271
00:22:44.700 --> 00:22:53.050
Wann sagst du, ich schaffe das schon, obwohl du dir insgeheim wünschen würdest, dass jemand sagt, du musst es nicht alleine schaffen.

272
00:22:54.830 --> 00:23:00.570
Und wann versuchst du vielleicht stark zu wirken, obwohl du eigentlich gerade etwas ganz anderes brauchst.

273
00:23:01.030 --> 00:23:05.880
Es geht dabei nicht darum, von heute auf morgen alles von dir abfallen zu lassen.

274
00:23:07.010 --> 00:23:11.310
Und auch nicht darum, Verantwortung abzugeben oder bei jeder Schwierigkeit aufzugeben.

275
00:23:12.870 --> 00:23:16.890
Vielleicht geht es zunächst nur darum, ehrlich mit dir selbst zu sein.

276
00:23:17.800 --> 00:23:21.740
zu merken, eigentlich ist mir das gerade zu viel.

277
00:23:23.840 --> 00:23:26.560
Denn vielleicht beginnt Veränderung manchmal genau dort.

278
00:23:27.400 --> 00:23:29.220
Nicht bei dem, was wir nach außen zeigen,

279
00:23:30.150 --> 00:23:33.910
sondern bei dem, was wir uns selbst gegenüber endlich zugeben können.

280
00:23:35.660 --> 00:23:39.180
Und natürlich interessiert mich auch heute wieder deine Erfahrung.

281
00:23:40.760 --> 00:23:43.000
Deshalb meine Community-Frage an dich.

282
00:23:44.220 --> 00:23:47.020
Fällt es dir leicht zu zeigen, wenn es dir einmal nicht gut geht?

283
00:23:48.460 --> 00:23:52.540
Oder bist du eher der Mensch, der versucht, alles mit sich selbst auszumachen?

284
00:23:54.420 --> 00:24:00.080
Wenn du über Spotify hörst, freue ich mich, wenn du mir direkt unter dieser Folge einen Kommentar da lässt.

285
00:24:01.040 --> 00:24:04.260
Oder du schreibst mir auf Instagram unter Vitalis Zentrum.

286
00:24:05.970 --> 00:24:08.550
Vielleicht erkennst du dich in diesem Thema wieder.

287
00:24:10.000 --> 00:24:12.960
Vielleicht kennst du aber auch einen Menschen, der immer für alle anderen da ist.

288
00:24:13.380 --> 00:24:17.290
Einen Menschen, bei dem jeder denkt, der schafft das schon.

289
00:24:18.610 --> 00:24:20.450
dann frag diesen Menschen vielleicht einfach einmal.

290
00:24:21.010 --> 00:24:22.590
Und, wie geht es eigentlich dir?

291
00:24:23.980 --> 00:24:29.340
Nicht nur im Vorbeigehen, sondern so, dass wirklich Platz für eine ehrliche Antwort ist.

292
00:24:30.670 --> 00:24:35.450
Denn manchmal brauchen gerade die Menschen, die nach außen am stärksten wirken, einen Ort,

293
00:24:36.310 --> 00:24:38.210
an dem sie es für einen Moment nicht sein müssen.

294
00:24:38.450 --> 00:24:45.380
Und vielleicht ist auch das der Gedanke, den ich dir aus dieser Folge besonders mitgeben möchte.

295
00:24:47.130 --> 00:24:50.610
Du musst deine Stärke nicht verlieren, um deine Verletzlichkeit zeigen zu dürfen.

296
00:24:51.930 --> 00:24:54.210
Beides darf gleichzeitig existieren.

297
00:24:55.070 --> 00:24:57.350
Du darfst stark sein und trotzdem müde.

298
00:24:58.280 --> 00:25:01.280
Du darfst mutig sein und trotzdem Angst haben.

299
00:25:02.620 --> 00:25:06.080
Du darfst für andere da sein und trotzdem selbst jemanden brauchen.

300
00:25:08.080 --> 00:25:12.480
Und du darfst auch einmal sagen, heute kann ich nicht alles tragen.

301
00:25:13.820 --> 00:25:16.560
Denn vielleicht ist Stärke nicht die Fähigkeit, niemals zusammenzubrechen.

302
00:25:18.420 --> 00:25:21.360
Vielleicht ist Stärke auch die Fähigkeit, rechtzeitig zu merken,

303
00:25:21.360 --> 00:25:23.640
dass man nicht alles alleine tragen muss.

304
00:25:26.000 --> 00:25:30.690
Danke, dass du heute wieder dabei warst und dir diese Zeit für dich genommen hast.

305
00:25:32.990 --> 00:25:39.260
Wenn dir diese Folge gefallen hat oder du dabei an einen Menschen denken musstest, dann teile sie gerne mit ihm.

306
00:25:40.660 --> 00:25:45.220
Vielleicht ist genau diese Erinnerung etwas, das dieser Mensch gerade braucht.

307
00:25:46.510 --> 00:25:49.820
Und denk immer daran, du musst nicht immer der Starke sein.

308
00:25:51.340 --> 00:25:56.900
Manchmal liegt Stärke auch darin, sich selbst zu erlauben, einfach Mensch zu sein.

309
00:25:58.380 --> 00:26:01.880
Ich wünsche dir eine gute Zeit. Bis zur nächsten Folge.

310
00:26:02.980 --> 00:26:04.880
Dein Patrick vom Vitalis Zentrum.
