WEBVTT

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00:00:00.000 --> 00:00:14.740
Hallo und herzlich willkommen bei Körper und Seele, deinem Gesundheitspodcast. Hier

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00:00:14.740 --> 00:00:21.260
ist Patrick vom Vitalis Zentrum. Schön, dass du heute wieder dabei bist. Bevor wir mit dem

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00:00:21.260 --> 00:00:26.740
heutigen Thema starten, möchte ich noch einmal kurz an die letzte Folge anknüpfen. In der letzten

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00:00:26.740 --> 00:00:32.660
Folge haben wir darüber gesprochen, warum wir glauben, immer stark sein zu müssen. Warum manche

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00:00:32.660 --> 00:00:38.220
Menschen über Jahre die Rolle übernehmen, für alle anderen da zu sein, zu funktionieren,

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00:00:39.240 --> 00:00:45.320
Verantwortung zu übernehmen, Probleme zu lösen und möglichst niemandem zu zeigen, wenn es ihnen

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00:00:45.320 --> 00:00:50.380
selbst einmal zu viel wird. Wir haben darüber gesprochen, dass Stärke und Verletzlichkeit

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00:00:50.380 --> 00:00:55.140
vielleicht gar keine Gegensätze sein müssen, dass du stark sein kannst und trotzdem müde,

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00:00:55.140 --> 00:01:02.380
mutig und trotzdem ängstlich, für andere da sein und trotzdem selbst jemanden brauchen kannst.

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00:01:03.820 --> 00:01:08.200
Und vielleicht erinnerst du dich noch an die Reflexionsfrage aus der letzten Folge.

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00:01:09.360 --> 00:01:13.180
In welchem Bereich deines Lebens glaubst du, immer stark sein zu müssen?

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00:01:13.400 --> 00:01:16.720
Und was glaubst du, würde passieren, wenn du es einmal nicht wärst?

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00:01:18.600 --> 00:01:21.720
Vielleicht hast du diese Frage in den letzten Tagen ein wenig mit dir getragen.

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00:01:22.580 --> 00:01:27.880
Vielleicht ist dir sogar eine Situation aufgefallen, in der du automatisch gesagt hast, ich schaffe das schon.

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00:01:28.660 --> 00:01:34.100
Obwohl ein Teil von dir sich vielleicht gewünscht hätte, dass jemand sagt, du musst das nicht alleine schaffen.

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00:01:35.760 --> 00:01:37.820
Und genau an diesem Punkt möchte ich heute anknüpfen.

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00:01:38.480 --> 00:01:41.640
Denn zu erkennen, dass wir nicht immer stark sein müssen, ist das eine.

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00:01:42.420 --> 00:01:46.960
Etwas ganz anderes ist es, tatsächlich zuzulassen, dass jemand anderes uns hilft.

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00:01:46.960 --> 00:01:54.220
Und genau deshalb lautet die Frage der heutigen Folge, warum fällt es uns so schwer, Hilfe

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00:01:54.220 --> 00:01:54.820
anzunehmen?

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00:01:56.120 --> 00:02:00.240
Ich finde dieses Thema unglaublich spannend, denn viele Menschen helfen unglaublich gerne.

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00:02:00.820 --> 00:02:03.720
Wenn ein Freund anruft und Unterstützung braucht, sind sie da.

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00:02:05.140 --> 00:02:08.940
Wenn jemand in deiner Familie etwas braucht, versuchen sie es möglichst zu machen.

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00:02:10.740 --> 00:02:13.160
Wenn ein Kollege nicht weiterkommt, helfen sie.

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00:02:13.160 --> 00:02:17.800
Und vielleicht sagen sie sogar, du hättest doch einfach fragen können.

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00:02:18.960 --> 00:02:22.600
Doch sobald sie selbst Hilfe brauchen, gelten plötzlich völlig andere Regeln.

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00:02:23.540 --> 00:02:26.720
Dann kommen Sätze wie, ach, das kriege ich schon alleine hin.

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00:02:27.600 --> 00:02:29.080
Ich möchte niemandem zur Last fallen.

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00:02:30.320 --> 00:02:31.820
Andere haben selbst genug zu tun.

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00:02:33.140 --> 00:02:34.540
So schlimm ist es doch noch nicht.

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00:02:35.720 --> 00:02:39.140
Oder, bevor ich jemanden frage, mache ich es lieber selbst.

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00:02:40.460 --> 00:02:41.560
Kennst du das vielleicht von dir?

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00:02:41.560 --> 00:02:44.800
Oder du würdest einem Menschen, den du liebst, jederzeit helfen.

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00:02:45.600 --> 00:02:49.900
Aber wenn dieser Mensch dir dieselbe Hilfe anbietet, fällt es dir schwer, sie anzunehmen.

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00:02:50.900 --> 00:02:51.560
Warum eigentlich?

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00:02:52.940 --> 00:02:57.300
Warum fühlt sich Geben für viele Menschen gut an, aber Empfangen plötzlich unangenehm?

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00:02:58.920 --> 00:03:03.160
Vielleicht, weil Hilfe anzunehmen etwas von uns verlangt, das Helfen manchmal nicht verlangt.

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00:03:04.080 --> 00:03:06.760
Wir müssen zugeben, ich brauche gerade etwas.

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00:03:07.420 --> 00:03:10.320
Und genau dieser Satz kann unglaublich verletzlich sein.

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00:03:11.060 --> 00:03:13.880
Denn solange ich helfe, bin ich derjenige, der etwas geben kann.

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00:03:14.700 --> 00:03:15.900
Ich habe etwas unter Kontrolle.

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00:03:16.820 --> 00:03:17.860
Ich habe eine Lösung.

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00:03:18.600 --> 00:03:19.620
Ich bin handlungsfähig.

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00:03:21.080 --> 00:03:24.560
Wenn ich dagegen Hilfe annehme, muss ich für einen Moment zulassen,

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00:03:25.160 --> 00:03:27.720
ich kann oder möchte das gerade nicht alleine tragen.

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00:03:29.120 --> 00:03:31.120
Und vielleicht berührt genau das etwas in uns.

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00:03:32.200 --> 00:03:34.440
Vielleicht die Angst, abhängig zu wirken.

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00:03:36.480 --> 00:03:38.240
Vielleicht die Angst, schwach zu erscheinen.

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00:03:39.220 --> 00:03:41.700
Vielleicht die Sorge, jemandem etwas schuldig zu sein.

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00:03:42.640 --> 00:03:46.880
Oder vielleicht auch einfach das Gefühl, ich müsste das doch eigentlich alleine schaffen.

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00:03:48.120 --> 00:03:51.160
Doch wer hat eigentlich entschieden, dass wir alles alleine schaffen müssen?

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00:03:52.180 --> 00:03:55.800
Stell dir einmal vor, du möchtest einen schweren Tisch, eine Treppe hinauftragen.

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00:03:57.180 --> 00:03:59.400
Du könntest versuchen, ihn alleine hochzutragen.

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00:04:00.060 --> 00:04:01.040
Vielleicht schaffst du es sogar.

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00:04:01.540 --> 00:04:04.140
Du kämpfst dich Stufe für Stufe nach oben.

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00:04:04.700 --> 00:04:05.620
Du verrenkst dich.

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00:04:06.200 --> 00:04:07.580
Du brauchst unglaublich viel Kraft.

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00:04:08.240 --> 00:04:10.260
Und am Ende bist du völlig erschöpft.

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00:04:11.260 --> 00:04:13.380
Oder jemand nimmt einfach die andere Seite.

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00:04:14.280 --> 00:04:15.820
Der Tisch ist immer noch derselbe.

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00:04:16.480 --> 00:04:18.520
Die Treppe ist immer noch dieselbe.

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00:04:19.200 --> 00:04:20.900
Und auch das Ziel ist dasselbe.

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00:04:21.840 --> 00:04:24.520
Nur die Last verteilt sich plötzlich auf zwei Menschen.

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00:04:25.940 --> 00:04:29.780
Warum empfinden wir genau das bei körperlichen Dingen häufig als vollkommen logisch?

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00:04:30.280 --> 00:04:32.720
Aber bei unserem Leben manchmal als Schwäche.

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00:04:35.100 --> 00:04:37.820
Vielleicht wird deine Hilfe anzunehmen gar nicht, ich kann das nicht.

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00:04:38.240 --> 00:04:43.520
Vielleicht bedeutet es manchmal einfach, ich muss es nicht alleine machen.

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00:04:43.520 --> 00:04:46.840
Und ich glaube, genau dieser Unterschied ist unglaublich wichtig.

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00:04:46.840 --> 00:04:52.560
Denn Selbständigkeit ist etwas Wertvolles, Eigenverantwortung ist etwas Wertvolles.

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00:04:52.560 --> 00:04:55.060
Es ist schön, Dinge aus eigener Kraft schaffen zu können.

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00:04:55.060 --> 00:05:00.800
Aber Eigenverantwortung bedeutet vielleicht nicht, alles alleine tragen zu müssen.

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00:05:00.800 --> 00:05:05.800
Vielleicht bedeutet sie manchmal sogar, rechtzeitig zu erkennen, hier würde Unterstützung mir

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00:05:05.800 --> 00:05:06.800
guttun.

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00:05:06.800 --> 00:05:09.360
Und genau dort möchte ich heute mit dir genauer hinschauen.

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00:05:10.560 --> 00:05:14.500
Nicht bei der Frage, kannst du alles alleine schaffen, sondern bei einer ganz anderen.

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00:05:15.560 --> 00:05:18.120
Kannst du es auch zulassen, dass jemand für dich da ist?

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00:05:19.540 --> 00:05:23.280
Ich glaube, genau diese Frage ist für viele Menschen schwieriger zu beantworten, als man zunächst denkt.

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00:05:24.300 --> 00:05:28.080
Denn vielleicht bist du jemand, der unglaublich gut darin ist, zu geben.

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00:05:28.920 --> 00:05:34.180
Du hörst zu, du unterstützt, du hilfst, du bist da.

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00:05:34.180 --> 00:05:39.060
Und vielleicht fühlt sich das für dich sogar vollkommen selbstverständlich an.

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00:05:39.060 --> 00:05:44.180
Doch sobald sich die Rollen umdrehen, entsteht plötzlich ein ganz anderes Gefühl.

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00:05:44.180 --> 00:05:49.720
Jemand bietet dir Hilfe an und deine erste Reaktion ist, nein, nein, alles gut.

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00:05:49.720 --> 00:05:55.000
Jemand möchte dir etwas abnehmen und du sagst, ach, das musst du doch nicht.

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00:05:55.000 --> 00:05:59.500
Jemand fragt, kann ich irgendetwas für dich tun?

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00:05:59.500 --> 00:06:04.440
Und obwohl dir sofort etwas einfallen würde, antwortest du, nein danke, ich komme klar.

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00:06:05.820 --> 00:06:06.780
Warum eigentlich?

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00:06:08.000 --> 00:06:14.220
Warum fällt es uns manchmal leichter, drei Stunden für einen anderen Menschen da zu sein, als selbst zehn Minuten Unterstützung anzunehmen?

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00:06:15.620 --> 00:06:20.080
Ich glaube, ein Grund dafür kann sein, dass Geben sich für uns sicherer anfühlt.

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00:06:20.680 --> 00:06:22.060
Wenn wir geben, entscheiden wir.

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00:06:22.880 --> 00:06:23.880
Wir entscheiden wie viel.

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00:06:25.120 --> 00:06:26.240
Wir entscheiden wann.

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00:06:26.240 --> 00:06:29.580
Wir entscheiden, auf welche Art.

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00:06:32.020 --> 00:06:33.720
Beim Empfangen passiert etwas anderes.

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00:06:34.680 --> 00:06:36.140
Wir müssen ein Stück weit loslassen.

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00:06:36.860 --> 00:06:39.680
Wir müssen zulassen, dass jemand anderes etwas für uns tut.

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00:06:41.020 --> 00:06:45.280
Und vielleicht müssen wir sogar darauf vertrauen, dass dieser Mensch es gerne macht.

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00:06:46.300 --> 00:06:48.120
Genau das fällt manchen Menschen unglaublich schwer.

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00:06:49.280 --> 00:06:54.120
Denn vielleicht entsteht sofort der Gedanke, jetzt schulde ich ihm was.

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00:06:54.120 --> 00:07:01.740
Und plötzlich ist Hilfe keine Hilfe mehr. Sie fühlt sich wie eine Rechnung an, die irgendwann bezahlt werden muss.

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00:07:02.560 --> 00:07:05.620
Vielleicht kennst du das. Jemand tut etwas Schönes für dich.

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00:07:06.720 --> 00:07:11.400
Und anstatt es einfach anzunehmen, beginnt dein Kopf sofort zu rechnen, wie kann ich mich revanchieren?

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00:07:12.220 --> 00:07:15.460
Was kann ich zurückgeben? Jetzt muss ich beim nächsten Mal aber auch.

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00:07:16.640 --> 00:07:19.820
Und natürlich ist Gegenseitigkeit in Beziehungen etwas Schönes.

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00:07:19.820 --> 00:07:26.320
Aber vielleicht muss nicht jede liebevolle Geste sofort ausgeglichen werden.

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00:07:26.320 --> 00:07:30.740
Stell dir einmal vor, jemand schenkt dir einen Blumenstrauß.

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00:07:30.740 --> 00:07:37.280
Und anstatt dich über die Blumen zu freuen, holst du sofort dein Portemonnaie heraus und fragst, was schulde ich dir?

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00:07:37.280 --> 00:07:41.480
Irgendetwas an diesem Moment würde verloren gehen.

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00:07:41.480 --> 00:07:46.040
Denn ein Geschenk lebt vielleicht auch davon, dass jemand bereit ist, es anzunehmen.

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00:07:46.040 --> 00:07:49.620
Und vielleicht ist Hilfe manchmal genau das.

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00:07:49.620 --> 00:07:55.120
ein Geschenk. Nicht immer. Natürlich gibt es Beziehungen, in denen Erwartungen an Hilfe

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00:07:55.120 --> 00:08:01.520
geknüpft werden. Und natürlich dürfen wir auch darauf achten. Aber vielleicht gibt es

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00:08:01.520 --> 00:08:06.200
genauso viele Situationen, in denen ein Mensch wirklich einfach für uns da sein möchte. Und

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00:08:06.200 --> 00:08:12.980
wir lassen es nicht zu. Vielleicht sagen wir, ich möchte niemandem zur Last fallen. Diesen

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00:08:12.980 --> 00:08:17.780
Satz finde ich unglaublich spannend. Denn stell dir einmal vor, ein Mensch, den du von Herzen

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00:08:17.780 --> 00:08:22.640
liebst, würde zu dir kommen und sagen, mir geht es gerade nicht gut. Kannst du kurz für mich da

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00:08:22.640 --> 00:08:28.960
sein? Würdest du diesen Menschen als Last empfinden? Wahrscheinlich nicht. Vielleicht

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00:08:28.960 --> 00:08:34.760
würdest du dich sogar freuen, dass er dir genug vertraut, um dich zu fragen. Warum gehen wir dann

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00:08:34.760 --> 00:08:41.100
so selbstverständlich davon aus, dass wir selbst für andere eine Belastung wären? Vielleicht

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00:08:41.100 --> 00:08:44.800
entscheiden wir damit etwas für den anderen Menschen, das er selbst gar nicht entschieden hat.

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00:08:44.800 --> 00:08:48.880
Wir sagen innerlich, ich möchte dich nicht belasten.

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00:08:48.880 --> 00:08:53.860
Aber vielleicht würde dieser Mensch sagen, du belastest mich überhaupt nicht.

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00:08:53.860 --> 00:08:55.660
Ich möchte für dich da sein.

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00:08:55.660 --> 00:09:01.620
Und vielleicht nehmen wir ihm sogar ein Stück weit die Möglichkeit dazu, wenn wir jede Hilfe

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00:09:01.620 --> 00:09:02.500
sofort ablehnen.

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00:09:02.500 --> 00:09:06.760
Denn Beziehungen leben nicht nur davon, dass wir geben.

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00:09:06.760 --> 00:09:10.660
Sie leben auch davon, dass wir empfangen können.

127
00:09:10.660 --> 00:09:13.560
Stell dir eine Beziehung einmal wie eine Tür vor.

128
00:09:13.560 --> 00:09:18.800
Wenn diese Tür nur in eine Richtung aufgeht, kann immer nur einer hindurch gehen.

129
00:09:18.800 --> 00:09:23.260
Vielleicht braucht echte Verbindung aber Bewegung in beide Richtungen.

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00:09:23.260 --> 00:09:30.000
Mal bin ich für dich da, mal bist du für mich da, mal trage ich ein Stück, mal trägst

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00:09:30.000 --> 00:09:35.800
du ein Stück und niemand muss dabei genau Buch führen, wer wann wie viel getragen hat.

132
00:09:35.800 --> 00:09:37.520
Vielleicht ist genau das Vertrauen.

133
00:09:37.520 --> 00:09:42.800
Zu wissen, ich darf geben, aber ich darf auch empfangen.

134
00:09:42.800 --> 00:09:48.020
Und vielleicht ist Hilfe anzunehmen deshalb gar nicht das Gegenteil von Selbständigkeit.

135
00:09:48.020 --> 00:09:51.020
Vielleicht ist es ein Teil von Beziehung.

136
00:09:51.020 --> 00:09:54.920
Denn kein Mensch lebt vollkommen unabhängig von anderen.

137
00:09:54.920 --> 00:09:57.520
Wir alle brauchen irgendwann jemanden.

138
00:09:57.520 --> 00:10:04.660
Manchmal praktisch, manchmal emotional, manchmal nur für ein Gespräch.

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00:10:04.660 --> 00:10:10.080
Und manchmal vielleicht einfach jemanden, der neben uns sitzt und sagt, du musst gerade

140
00:10:10.080 --> 00:10:11.080
gar nichts erklären.

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00:10:11.080 --> 00:10:14.420
Ich bin einfach da.

142
00:10:14.420 --> 00:10:18.140
Vielleicht dürfen wir deshalb anfangen, Hilfe nicht nur danach zu beurteilen, ob wir sie

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00:10:18.140 --> 00:10:22.380
unbedingt brauchen, sondern auch danach, ob sie uns guttun würde.

144
00:10:22.380 --> 00:10:28.340
Denn zwischen ich kann das alleine und ich muss das alleine machen, liegt ein großer

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00:10:28.340 --> 00:10:29.340
Unterschied.

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00:10:29.340 --> 00:10:31.420
Vielleicht kannst du es alleine.

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00:10:31.420 --> 00:10:34.420
Aber vielleicht musst du es trotzdem nicht.

148
00:10:34.420 --> 00:10:39.020
Und vielleicht beginnt genau dort etwas, das vielen Menschen schwerfällt.

149
00:10:39.020 --> 00:10:44.680
Nicht erst dann Hilfe anzunehmen, wenn gar nichts mehr geht, sondern vielleicht schon

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00:10:44.680 --> 00:10:47.100
dann, wenn das Leben ein kleines bisschen leichter werden dürfte.

151
00:10:47.100 --> 00:10:52.480
Und genau dabei muss ich an einen Menschen denken, den ich begleiten durfte.

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00:10:52.480 --> 00:10:55.780
Jemanden, der sehr lange versucht hatte, alles alleine hinzubekommen.

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00:10:55.780 --> 00:10:59.800
Wenn ein Problem auftauchte, wurde erst einmal selbst nach einer Lösung gesucht.

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00:10:59.800 --> 00:11:03.400
Wenn es gesundheitlich nicht gut ging, wurde weitergemacht.

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00:11:03.400 --> 00:11:09.340
Wenn etwas belastend war, wurde versucht, irgendwie damit zurechtzukommen.

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00:11:09.340 --> 00:11:13.300
Und Unterstützung kam eigentlich immer erst ganz am Ende.

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00:11:13.300 --> 00:11:17.860
Erst dann, wenn die eigenen Möglichkeiten beinahe vollständig ausgeschöpft waren.

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00:11:17.860 --> 00:11:23.980
Irgendwann haben wir darüber gesprochen und ich habe gefragt, warum hast du dir eigentlich

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00:11:23.980 --> 00:11:25.460
nicht schon früher Unterstützung geholt?

160
00:11:25.460 --> 00:11:28.920
Und die Antwort war sinngemäß.

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00:11:28.920 --> 00:11:34.160
so schlimm war es doch vorher noch nicht. Dieser Satz ist mir in Gedächtnis geblieben.

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00:11:35.160 --> 00:11:39.920
Denn vielleicht kennst du ihn auch. So schlimm ist es doch noch nicht. Wir sagen ihn bei

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00:11:39.920 --> 00:11:46.000
körperlichen Beschwerden, bei Stress, bei emotionalen Belastungen, bei Problemen im

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00:11:46.000 --> 00:11:53.000
Alltag. Und irgendwie entsteht dadurch eine merkwürdige Vorstellung. Hilfe darf ich erst

165
00:11:53.000 --> 00:12:00.100
annehmen, wenn es schlimm genug geworden ist. Doch woher kommt diese Idee eigentlich? Stell dir

166
00:12:00.100 --> 00:12:05.900
einmal vor, dein Auto macht plötzlich ein ungewöhnliches Geräusch. Du hörst es, du weißt,

167
00:12:06.160 --> 00:12:13.040
irgendetwas ist anders. Aber das Auto fährt noch. Also sagst du, so schlimm ist es doch noch nicht.

168
00:12:14.060 --> 00:12:20.200
Am nächsten Tag wird das Geräusch etwas lauter. Aber das Auto fährt immer noch. Also machst du

169
00:12:20.200 --> 00:12:26.820
weiter. Und irgendwann bleibst du vielleicht tatsächlich stehen. Natürlich muss nicht jedes

170
00:12:26.820 --> 00:12:32.280
kleine Geräusch bedeuten, dass etwas Großes dahinter steckt. Aber vielleicht wäre es trotzdem

171
00:12:32.280 --> 00:12:37.500
sinnvoll gewesen, einmal früher hinzuschauen. Und ich glaube, genau das lässt sich ja viele

172
00:12:37.500 --> 00:12:43.040
Bereiche unseres Lebens übertragen. Wir müssen nicht warten, bis etwas eskaliert, bevor Unterstützung

173
00:12:43.040 --> 00:12:48.580
berechtigt ist. Wir müssen nicht vollkommen erschöpft sein, bevor wir uns eine Pause erlauben.

174
00:12:50.200 --> 00:12:54.160
Wir müssen nicht vollkommen überfordert sein, bevor wir jemanden um Unterstützung bitten.

175
00:12:55.120 --> 00:12:59.660
Und wir müssen auch nicht erst an einen Punkt angekommen sein, an dem wir selbst überhaupt keinen Ausweg mehr sehen.

176
00:13:01.000 --> 00:13:03.060
Vielleicht dürfen wir Hilfe viel früher betrachten.

177
00:13:04.140 --> 00:13:06.800
Nicht als Notlösung, sondern als Möglichkeit.

178
00:13:08.360 --> 00:13:13.220
Denn wenn du jemanden nach dem Weg fragst, weil du dich in einer fremden Stadt nicht auskennst,

179
00:13:13.740 --> 00:13:15.480
denkst du wahrscheinlich auch nicht, ich habe versagt.

180
00:13:16.000 --> 00:13:18.780
Du denkst, dieser Mensch kennt sich hier vielleicht besser aus als ich.

181
00:13:20.200 --> 00:13:23.560
Und vielleicht ist Unterstützung manchmal genau das.

182
00:13:23.560 --> 00:13:27.080
Ein anderer Mensch sieht etwas, das wir gerade nicht sehen.

183
00:13:27.080 --> 00:13:30.720
Er kennt einen Weg, den wir noch nicht kennen.

184
00:13:30.720 --> 00:13:34.640
Er hat Erfahrungen, die wir nicht haben.

185
00:13:34.640 --> 00:13:39.840
Oder er hat einfach gerade Kraft übrig, während unsere eigene vielleicht etwas weniger geworden

186
00:13:39.840 --> 00:13:40.840
ist.

187
00:13:40.840 --> 00:13:42.960
Das macht uns nicht kleiner.

188
00:13:42.960 --> 00:13:45.600
Es macht uns nicht unfähiger.

189
00:13:45.600 --> 00:13:49.960
Es bedeutet lediglich, dass wir nicht alles wissen und nicht alles alleine können müssen.

190
00:13:49.960 --> 00:13:51.980
Und eigentlich ist das vollkommen menschlich.

191
00:13:52.720 --> 00:13:58.860
Denn wenn wir ehrlich sind, besteht fast alles, was wir heute können, auch aus Dingen, die uns irgendwann jemand anderes gezeigt hat.

192
00:13:59.740 --> 00:14:01.120
Jemand hat uns Lesen beigebracht.

193
00:14:02.180 --> 00:14:03.940
Jemand hat uns gezeigt, wie wir Fahrrad fahren.

194
00:14:05.440 --> 00:14:07.340
Jemand hat uns etwas an unserem Beruf beigebracht.

195
00:14:08.700 --> 00:14:13.520
Wir haben Bücher gelesen, Gespräche geführt, von anderen Menschen gelernt.

196
00:14:14.560 --> 00:14:16.540
Und unser ganzes Leben besteht aus Unterstützung.

197
00:14:16.540 --> 00:14:22.660
Und trotzdem entwickeln wir irgendwann die Vorstellung, jetzt müsste ich aber alles alleine

198
00:14:22.660 --> 00:14:28.660
schaffen. Vielleicht ist genau das ein Widerspruch. Denn wir kommen im Leben überhaupt erst so weit,

199
00:14:28.660 --> 00:14:33.640
weil Menschen voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen. Warum sollte das

200
00:14:33.640 --> 00:14:39.460
plötzlich aufhören? Und vielleicht gibt es noch einen Gedanken, den ich bei diesem Thema besonders

201
00:14:39.460 --> 00:14:45.760
wichtig finde. Hilfe anzunehmen bedeutet nicht automatisch Verantwortung abzugeben. Du bleibst

202
00:14:45.760 --> 00:14:51.100
verantwortlich für dein Leben. Du triffst deine Entscheidungen. Du entscheidest, welche Unterstützung

203
00:14:51.100 --> 00:14:55.700
zu dir passt. Und du darfst auch Nein sagen, wenn sich eine Hilfe für dich nicht richtig anfühlt.

204
00:14:56.860 --> 00:15:02.420
Aber Eigenverantwortung kann eben auch bedeuten, zu erkennen, hier komme ich gerade mit Unterstützung

205
00:15:02.420 --> 00:15:08.100
besser weiter. Stell dir vor, du möchtest ein Haus bauen. Du könntest theoretisch versuchen,

206
00:15:08.100 --> 00:15:16.220
jeden einzelnen Beruf selbst zu lernen. Elektrik, Sanitär, Dachdecken, Maurerarbeiten. Vielleicht

207
00:15:16.220 --> 00:15:20.740
könntest du dir über Jahre hinweg all dieses Wissen ereignen. Aber wahrscheinlich würdest du

208
00:15:20.740 --> 00:15:25.780
irgendwann sagen, für manche Dinge hole ich jemanden dazu, der sich damit auskennt. Nicht,

209
00:15:25.860 --> 00:15:32.160
weil du versagt hast, sondern weil es sinnvoll ist. Und vielleicht dürfen wir uns selbst genauso

210
00:15:32.160 --> 00:15:39.300
betrachten. Wir müssen nicht in jedem Bereich unseres Lebens unser eigener Experte sein. Manchmal

211
00:15:39.300 --> 00:15:47.720
dürfen wir jemanden fragen. Manchmal dürfen wir uns begleiten lassen. Manchmal dürfen wir eine

212
00:15:47.720 --> 00:15:53.920
ausgestreckte Hand einfach annehmen. Und vielleicht ist genau das der Punkt. Hilfe anzunehmen bedeutet

213
00:15:53.920 --> 00:15:58.560
nicht, dass du deinen Weg nicht selbst gehst. Es bedeutet nur, dass du nicht jeden Meter davon

214
00:15:58.560 --> 00:16:04.440
alleine gehen muss. Vielleicht sollten wir deshalb nicht erst fragen, ist es schon schlimm genug,

215
00:16:04.440 --> 00:16:11.020
dass ich Hilfe brauche? Sondern, manchmal viel früher, würde Unterstützung meinen Weg gerade

216
00:16:11.020 --> 00:16:15.260
ein Stück leichter machen. Denn vielleicht muss das Leben nicht erst unerträglich schwer werden,

217
00:16:15.340 --> 00:16:21.280
bevor wir uns erlauben, etwas von seinem Gewicht abzugeben. Und genau in diesem Punkt möchte ich

218
00:16:21.280 --> 00:16:25.840
noch einen Schritt tiefer gehen. Denn vielleicht ist es gar nicht erst die Hilfe selbst, die uns

219
00:16:25.840 --> 00:16:32.460
manchmal so schwer fällt. Vielleicht ist es das, was Hilfe annehmen von uns verlangt. Vertrauen.

220
00:16:32.460 --> 00:16:38.020
Denn in dem Moment, in dem wir einen anderen Menschen an uns heranlassen, geben wir ein kleines

221
00:16:38.020 --> 00:16:44.500
Stück Kontrolle ab. Wir sagen, ich zeige dir gerade etwas von mir, das ich nicht alleine lösen

222
00:16:44.500 --> 00:16:51.160
möchte. Ich lasse dich an etwas teilhaben. Und vielleicht sogar, ich vertraue dir genug,

223
00:16:51.160 --> 00:16:58.260
um dich näher heranzulassen. Das kann sich unglaublich verletzlich anfühlen. Denn solange

224
00:16:58.260 --> 00:17:02.120
wir alles mit uns selbst ausmachen, behalten wir die Kontrolle darüber, was andere von uns sehen.

225
00:17:02.840 --> 00:17:07.780
Wir entscheiden, was wir erzählen. Wir entscheiden, wie viel wir zeigen. Und wir entscheiden,

226
00:17:07.960 --> 00:17:12.240
was wir lieber für uns behalten. Doch wenn wir wirklich Unterstützung annehmen möchten,

227
00:17:12.760 --> 00:17:16.780
müssen wir manchmal eine Tür öffnen. Und wir wissen vorher nicht immer genau,

228
00:17:16.780 --> 00:17:22.620
was passiert, wenn jemand hindurch geht. Vielleicht haben wir in der Vergangenheit erlebt,

229
00:17:22.820 --> 00:17:27.220
dass jemand unser Vertrauen enttäuscht hat. Vielleicht haben wir um Hilfe gebeten und

230
00:17:27.220 --> 00:17:33.980
wurden nicht ernst genommen. Vielleicht haben wir etwas Persönliches erzählt und später bereut,

231
00:17:34.060 --> 00:17:40.360
dass wir es getan haben. Oder vielleicht haben wir einfach gelernt, wenn ich mich nur auf mich

232
00:17:40.360 --> 00:17:46.880
selbst verlasse, kann ich auch nicht enttäuscht werden. Und vielleicht hat uns dieser Gedanke

233
00:17:46.880 --> 00:17:52.700
irgendwann sogar geschützt. Das finde ich wichtig, denn nicht jede Mauer, die wir irgendwann aufgebaut

234
00:17:52.700 --> 00:17:58.080
haben, war von Anfang an etwas Schlechtes. Manche Mauern haben einmal einen guten Grund gehabt.

235
00:17:59.660 --> 00:18:05.420
Die Frage ist nur, brauchen wir sie heute noch genauso? Stell dir vor, du baust während eines

236
00:18:05.420 --> 00:18:09.780
Unwetters eine Schutzmauer um dein Haus. In diesem Moment ist diese Mauer sinnvoll.

237
00:18:10.360 --> 00:18:18.100
Sie schützt dich. Doch irgendwann ist das Unwetter vorbei. Die Sonne scheint wieder und trotzdem bleibt die Mauer stehen.

238
00:18:19.100 --> 00:18:25.880
Vielleicht schützt sie dich weiterhin davor, dass etwas hineinkommt. Aber gleichzeitig verhindert sie vielleicht auch, dass du hinausgehen kannst.

239
00:18:27.720 --> 00:18:34.720
Und ich glaube, genauso können manche Strategien in unserem Leben funktionieren. Ich mache alles alleine. Ich brauche niemanden.

240
00:18:34.720 --> 00:18:37.720
Ich verlasse mich lieber nur auf mich selbst.

241
00:18:37.720 --> 00:18:41.120
Vielleicht hat uns das irgendwann geholfen.

242
00:18:41.120 --> 00:18:45.040
Vielleicht hat es uns unabhängig gemacht.

243
00:18:45.040 --> 00:18:49.640
Vielleicht hat es uns durch eine schwierige Zeit getragen.

244
00:18:49.640 --> 00:18:55.720
Aber vielleicht dürfen wir irgendwann überprüfen, hilft mir dieser Gedanke heute noch?

245
00:18:55.720 --> 00:18:59.960
Oder hält er mir inzwischen auch Menschen auf Abstand, die es eigentlich gut mit mir meinen?

246
00:18:59.960 --> 00:19:04.220
Denn Hilfe anzunehmen bedeutet natürlich nicht, jedem Menschen blind zu vertrauen.

247
00:19:04.220 --> 00:19:11.000
Vertrauen darf wachsen. Wir dürfen entscheiden, wem wir uns öffnen. Wir dürfen Grenzen haben.

248
00:19:11.000 --> 00:19:15.800
Und wir dürfen genau hinschauen, welche Unterstützung sich für uns richtig anfühlt.

249
00:19:15.800 --> 00:19:21.320
Aber wenn wir aus Angst vor Enttäuschung überhaupt niemanden mehr an uns heranlassen,

250
00:19:21.320 --> 00:19:25.720
schützen wir uns vielleicht nicht nur noch vor schlechten Erfahrungen. Wir schützen uns

251
00:19:25.720 --> 00:19:33.880
möglicherweise auch vor Guten, vor Nähe, vor Verbundenheit, vor dem Gefühl, ich muss gerade

252
00:19:33.880 --> 00:19:40.540
nicht alleine sein. Und vielleicht ist genau das einer der schönsten Aspekte von Hilfe. Sie nimmt

253
00:19:40.540 --> 00:19:47.200
uns nicht nur Arbeit oder Belastung ab. Sie kann uns auch zeigen, da ist jemand. Jemand sieht mich.

254
00:19:48.580 --> 00:19:54.060
Jemand nimmt wahr, dass es mir gerade nicht gut geht. Und jemand ist bereit, ein Stück mit mir zu

255
00:19:54.060 --> 00:20:00.300
gehen. Vielleicht kennst du das sogar aus der anderen Perspektive. Vielleicht hat sie dir schon

256
00:20:00.300 --> 00:20:04.080
einmal einen Mensch anvertraut und anstatt zu denken, warum belastet der mich jetzt damit,

257
00:20:04.580 --> 00:20:10.280
hast du vielleicht etwas ganz anderes gespürt. Vertrauen. Vielleicht sogar Dankbarkeit darüber,

258
00:20:10.400 --> 00:20:16.580
dass dieser Mensch ausgerechnet dich ausgewählt hat. Und genau deshalb dürfen wir uns vielleicht

259
00:20:16.580 --> 00:20:21.580
einmal fragen, warum glauben wir eigentlich, dass andere Menschen uns automatisch als Belastung

260
00:20:21.580 --> 00:20:28.400
empfinden würden. Vielleicht ist es manchmal genau anders herum. Vielleicht kann es für einen

261
00:20:28.400 --> 00:20:34.020
Menschen sogar etwas sehr Verbindendes sein, für uns da sein zu dürfen. Denn Beziehungen entstehen

262
00:20:34.020 --> 00:20:39.000
nicht nur in den schönen Momenten. Manchmal entstehen die tiefsten Verbindungen genau dort,

263
00:20:39.840 --> 00:20:48.160
wo ein Mensch sagt, ich brauche dich gerade und der andere antwortet, ich bin da. Vielleicht ist

264
00:20:48.160 --> 00:20:53.820
Hilfe anzunehmen, deshalb nicht nur ein Zeichen von Vertrauen. Vielleicht ist es manchmal sogar

265
00:20:53.820 --> 00:20:59.080
eine Möglichkeit, Beziehungen überhaupt erst wirklich zuzulassen. Denn wenn wir unser ganzes

266
00:20:59.080 --> 00:21:04.300
Leben nur geben, zeigen wir anderen Menschen nur eine Seite von uns. Die Seite, die helfen kann.

267
00:21:05.460 --> 00:21:11.940
Die Seite, die etwas zu geben hat. Doch vielleicht gehört zu echter Nähe auch die andere Seite.

268
00:21:11.940 --> 00:21:19.020
Die Seite, die einmal etwas braucht. Die Seite, die nicht alles weiß. Die Seite,

269
00:21:19.020 --> 00:21:25.080
die jemanden an sich heranlässt. Und vielleicht müssen wir deshalb gar nicht lernen, abhängig von

270
00:21:25.080 --> 00:21:30.360
anderen Menschen zu werden. Darum geht das überhaupt nicht. Vielleicht dürfen wir einfach

271
00:21:30.360 --> 00:21:35.520
lernen, dass Unabhängigkeit und Verbundenheit gleichzeitig existieren können. Ich kann mein

272
00:21:35.520 --> 00:21:40.920
eigenes Leben führen, meine eigenen Entscheidungen treffen, Verantwortung für mich übernehmen und

273
00:21:40.920 --> 00:21:43.900
Und trotzdem darf ich Menschen an meiner Seite haben.

274
00:21:44.940 --> 00:21:46.580
Vielleicht ist das sogar ein schönes Bild.

275
00:21:47.260 --> 00:21:48.520
Du gehst deinen eigenen Weg.

276
00:21:49.520 --> 00:21:50.920
Niemand kann ihn für dich gehen.

277
00:21:51.720 --> 00:21:54.720
Aber das bedeutet nicht, dass niemand neben dir laufen darf.

278
00:21:56.540 --> 00:21:59.100
Manche Menschen begleiten dich vielleicht nur ein kurzes Stück.

279
00:21:59.840 --> 00:22:01.020
Andere sehr lange.

280
00:22:02.380 --> 00:22:05.220
Manche zeigen dir einen Weg, den du vorher nicht gesehen hast.

281
00:22:06.300 --> 00:22:09.580
Und manchmal reicht vielleicht schon jemand, der einfach ein Stück neben dir läuft.

282
00:22:09.580 --> 00:22:16.420
nicht um deinen weg für dich zu gehen sondern damit du ihn nicht immer alleine gehen musst

283
00:22:16.420 --> 00:22:22.720
vielleicht ist genau das der gedanke den ich dir aus diesem abschnitt mitgeben möchte hilfe

284
00:22:22.720 --> 00:22:28.540
anzunehmen bedeutet nicht die verantwortung für dein leben abzugeben es bedeutet manchmal einfach

285
00:22:28.540 --> 00:22:34.460
einem anderen menschen zu erlauben ein stück dieses lebens mit dir zu tragen und genau diesen

286
00:22:34.460 --> 00:22:39.520
Gedanken möchte ich heute zum Abschluss noch einmal bei dir lassen. Denn vielleicht gibt es

287
00:22:39.520 --> 00:22:44.660
gerade etwas in deinem Leben, das du schon sehr lange alleine trägst. Vielleicht ein Problem,

288
00:22:45.740 --> 00:22:53.340
eine Entscheidung, eine Belastung, vielleicht etwas Gesundheitliches oder vielleicht einfach

289
00:22:53.340 --> 00:22:58.700
einen Gedanken, den du bisher mit niemandem geteilt hast. Und vielleicht hast du dir bisher

290
00:22:58.700 --> 00:23:04.740
immer gesagt, das schaffe ich schon. Vielleicht schaffst du es sogar. Aber vielleicht ist genau

291
00:23:04.740 --> 00:23:10.400
das gar nicht die entscheidende Frage. Vielleicht dürfen wir uns viel häufiger fragen, muss ich es

292
00:23:10.400 --> 00:23:16.660
wirklich alleine schaffen? Denn nur weil du etwas alleine tragen kannst, bedeutet das nicht

293
00:23:16.660 --> 00:23:21.660
automatisch, dass du es auch alleine tragen musst. Und deshalb möchte ich dir heute wieder eine

294
00:23:21.660 --> 00:23:28.360
Reflexionsfrage mitgeben. In welchem Bereich deines Lebens versuchst du gerade etwas alleine zu

295
00:23:28.360 --> 00:23:31.960
obwohl Unterstützung deinen Weg vielleicht leichter machen würde?

296
00:23:31.960 --> 00:23:36.460
Lass diese Frage ruhig einen Moment wirken.

297
00:23:36.460 --> 00:23:41.360
Vielleicht fällt dir sofort etwas ein, vielleicht auch nicht.

298
00:23:41.360 --> 00:23:45.200
Und vielleicht geht es dabei gar nicht um etwas Großes.

299
00:23:45.200 --> 00:23:49.620
Hilfe muss nicht immer bedeuten, dass jemand unser gesamtes Problem löst.

300
00:23:49.620 --> 00:23:54.700
Vielleicht bedeutet Hilfe manchmal nur, jemanden anzurufen.

301
00:23:54.700 --> 00:24:04.720
ein Gespräch zu führen, eine Aufgabe abzugeben, eine Frage zu stellen, einen Rat einzuholen

302
00:24:04.720 --> 00:24:10.460
oder einfach einmal ehrlich zu sagen, mir ist es gerade ein bisschen viel.

303
00:24:12.220 --> 00:24:14.400
Vielleicht beobachtest du dich in den nächsten Tagen einmal.

304
00:24:15.540 --> 00:24:17.760
Was passiert in dir, wenn dir jemand Hilfe anbietet?

305
00:24:18.400 --> 00:24:24.360
Ist dein erster Impuls, ja, danke, oder sagst du automatisch, nein, alles gut,

306
00:24:24.700 --> 00:24:29.340
Und wenn du merkst, dass du Hilfe sofort ablehnst, dann frag dich vielleicht einfach

307
00:24:29.340 --> 00:24:31.340
einmal, warum eigentlich?

308
00:24:31.340 --> 00:24:34.460
Weil ich sie wirklich nicht brauche?

309
00:24:34.460 --> 00:24:38.180
Oder weil es mir unangenehm ist, sie anzunehmen?

310
00:24:38.180 --> 00:24:41.580
Weil ich niemanden belasten möchte?

311
00:24:41.580 --> 00:24:45.200
Weil ich das Gefühl habe, etwas zurückgeben zu müssen?

312
00:24:45.200 --> 00:24:50.080
Oder weil ich glaube, dass ich es alleine schaffen sollte?

313
00:24:50.080 --> 00:24:54.640
Du musst deshalb nicht plötzlich jede Hilfe annehmen.

314
00:24:54.640 --> 00:24:56.320
Darum geht es überhaupt nicht.

315
00:24:56.320 --> 00:25:00.260
Vielleicht geht es zunächst nur darum, die eigene Reaktion ein bisschen besser kennenzulernen.

316
00:25:00.260 --> 00:25:05.400
Denn manchmal sagen wir Nein zur Unterstützung, bevor wir überhaupt darüber nachgedacht haben,

317
00:25:05.400 --> 00:25:06.400
ob sie uns guttun könnte.

318
00:25:06.400 --> 00:25:10.800
Und natürlich interessiert mich auch heute wieder deine Erfahrung.

319
00:25:10.800 --> 00:25:14.640
Deshalb meine Community-Frage an dich.

320
00:25:14.640 --> 00:25:19.320
Fällt es dir leichter, anderen Menschen zu helfen oder Selbsthilfe anzunehmen?

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00:25:19.320 --> 00:25:23.500
Und wenn dir das Annehmen schwerer fällt, weißt du warum?

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00:25:23.500 --> 00:25:28.820
Wenn du über Spotify hörst, freue ich mich, wenn du mir direkt unter dieser Folge einen

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00:25:28.820 --> 00:25:29.820
Kommentar da lässt.

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00:25:29.820 --> 00:25:33.400
Oder du schreibst mir auf Instagram unter Vitalis Zentrum.

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00:25:33.400 --> 00:25:36.880
Ich lese jede Nachricht und jeden Kommentar persönlich.

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00:25:36.880 --> 00:25:42.420
Und vielleicht greife ich deine Gedanken oder deine Geschichte sogar in einer der nächsten

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00:25:42.420 --> 00:25:43.420
Folgen auf.

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00:25:43.420 --> 00:25:48.000
Denn ich glaube, gerade bei diesem Thema können wir viel voneinander lernen.

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Vielleicht merken wir sogar, viele Menschen, die unglaublich gerne für andere da sind,

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haben selbst Schwierigkeiten damit, jemanden für sich da sein zu lassen.

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Und vielleicht dürfen wir genau das ein kleines Stück verändern.

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00:26:00.280 --> 00:26:02.280
Nicht indem wir unsere Selbstständigkeit aufgeben,

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nicht indem wir Verantwortung abgeben,

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sondern indem wir verstehen, beides darf gleichzeitig existieren.

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Ich darf selbstständig sein und Unterstützung annehmen.

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Ich darf meinen eigenen Weg gehen und jemanden neben mir laufen lassen.

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Ich darf anderen helfen und mir selbst helfen lassen.

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Und vielleicht ist genau das eine Form von Verbundenheit.

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Nicht immer nur zu geben, nicht immer nur zu nehmen, sondern beides zulassen zu können.

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Denn Beziehungen leben vielleicht genau davon.

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Mal trägt der eine ein bisschen mehr, mal der andere.

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00:26:38.880 --> 00:26:43.440
Und manchmal tragen zwei Menschen etwas gemeinsam, das für einen allein ziemlich schwer gewesen wäre.

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00:26:44.740 --> 00:26:47.840
Danke, dass du dir heute wieder dabei warst und dir diese Zeit genommen hast.

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00:26:48.000 --> 00:26:53.120
Wenn dir diese Folge gefallen hat oder du dabei an einen Menschen denken musstest,

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00:26:53.120 --> 00:26:54.840
dann teile sie gerne mit ihm.

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Und denk immer daran, du musst deinen Weg selbst gehen, aber du musst ihn nicht immer

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alleine gehen.

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Ich wünsche dir eine gute Zeit.

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Bis zur nächsten Folge.

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Dein Patrick vom Vitalis Zentrum.
