Warum fällt es uns so schwer, Hilfe anzunehmen?
Viele Menschen sind unglaublich gut darin, für andere da zu sein. Doch sobald sie selbst Unterstützung brauchen, kommen Sätze wie: „Das schaffe ich schon alleine“, „Ich möchte niemandem zur Last fallen“ oder „So schlimm …
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Die Folge auf einen Blick
Das nimmst du mit.
- Viele Menschen sind unglaublich gut darin, für andere da zu sein.
- Doch sobald sie selbst Unterstützung brauchen, kommen Sätze wie: „Das schaffe ich schon alleine“, „Ich möchte niemandem zur Last fallen“ oder „So schlimm ist es doch noch nicht“.
- Aber warum fällt es uns eigentlich so schwer, Hilfe anzunehmen?
Beschreibung zur Folge
Viele Menschen sind unglaublich gut darin, für andere da zu sein.
Doch sobald sie selbst Unterstützung brauchen, kommen Sätze wie: „Das schaffe ich schon alleine“, „Ich möchte niemandem zur Last fallen“ oder „So schlimm ist es doch noch nicht“.
Aber warum fällt es uns eigentlich so schwer, Hilfe anzunehmen?
In dieser Folge sprechen wir darüber, warum Geben oft leichter ist als Empfangen, weshalb wir häufig viel zu lange versuchen, alles alleine zu tragen und warum Hilfe anzunehmen nicht bedeutet, die Verantwortung für das eigene Leben abzugeben.
Eine Folge über Vertrauen, Verbundenheit und die Erkenntnis, dass wir unseren eigenen Weg zwar selbst gehen müssen - aber nicht jeden Meter davon alleine.
Reflexionsfrage der Folge:
In welchem Bereich deines Lebens versuchst du gerade etwas alleine zu tragen, obwohl Unterstützung deinen Weg vielleicht leichter machen würde?
Die ganze Folge zum Nachlesen
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Hallo und herzlich willkommen bei Körper und Seele, deinem Gesundheitspodcast. Hier ist Patrick vom Vitalis Zentrum. Schön, dass du heute wieder dabei bist. Bevor wir mit dem heutigen Thema starten, möchte ich noch einmal kurz an die letzte Folge anknüpfen. In der letzten Folge haben wir darüber gesprochen, warum wir glauben, immer stark sein zu müssen. Warum manche Menschen über Jahre die Rolle übernehmen, für alle anderen da zu sein, zu funktionieren, Verantwortung zu übernehmen, Probleme zu lösen und möglichst niemandem zu zeigen, wenn es ihnen
selbst einmal zu viel wird. Wir haben darüber gesprochen, dass Stärke und Verletzlichkeit vielleicht gar keine Gegensätze sein müssen, dass du stark sein kannst und trotzdem müde, mutig und trotzdem ängstlich, für andere da sein und trotzdem selbst jemanden brauchen kannst. Und vielleicht erinnerst du dich noch an die Reflexionsfrage aus der letzten Folge. In welchem Bereich deines Lebens glaubst du, immer stark sein zu müssen? Und was glaubst du, würde passieren, wenn du es einmal nicht wärst? Vielleicht hast du diese Frage in den letzten Tagen ein wenig mit dir getragen. Vielleicht ist dir sogar eine Situation aufgefallen, in der du automatisch gesagt hast, ich schaffe das schon. Obwohl ein Teil von dir sich vielleicht gewünscht hätte, dass jemand sagt, du musst das nicht alleine schaffen.
Und genau an diesem Punkt möchte ich heute anknüpfen. Denn zu erkennen, dass wir nicht immer stark sein müssen, ist das eine. Etwas ganz anderes ist es, tatsächlich zuzulassen, dass jemand anderes uns hilft. Und genau deshalb lautet die Frage der heutigen Folge, warum fällt es uns so schwer, Hilfe anzunehmen? Ich finde dieses Thema unglaublich spannend, denn viele Menschen helfen unglaublich gerne. Wenn ein Freund anruft und Unterstützung braucht, sind sie da. Wenn jemand in deiner Familie etwas braucht, versuchen sie es möglichst zu machen. Wenn ein Kollege nicht weiterkommt, helfen sie. Und vielleicht sagen sie sogar, du hättest doch einfach fragen können. Doch sobald sie selbst Hilfe brauchen, gelten plötzlich völlig andere Regeln.
Dann kommen Sätze wie, ach, das kriege ich schon alleine hin. Ich möchte niemandem zur Last fallen. Andere haben selbst genug zu tun. So schlimm ist es doch noch nicht. Oder, bevor ich jemanden frage, mache ich es lieber selbst. Kennst du das vielleicht von dir? Oder du würdest einem Menschen, den du liebst, jederzeit helfen. Aber wenn dieser Mensch dir dieselbe Hilfe anbietet, fällt es dir schwer, sie anzunehmen. Warum eigentlich? Warum fühlt sich Geben für viele Menschen gut an, aber Empfangen plötzlich unangenehm? Vielleicht, weil Hilfe anzunehmen etwas von uns verlangt, das Helfen manchmal nicht verlangt. Wir müssen zugeben, ich brauche gerade etwas. Und genau dieser Satz kann unglaublich verletzlich sein.
Denn solange ich helfe, bin ich derjenige, der etwas geben kann. Ich habe etwas unter Kontrolle. Ich habe eine Lösung. Ich bin handlungsfähig. Wenn ich dagegen Hilfe annehme, muss ich für einen Moment zulassen, ich kann oder möchte das gerade nicht alleine tragen. Und vielleicht berührt genau das etwas in uns. Vielleicht die Angst, abhängig zu wirken. Vielleicht die Angst, schwach zu erscheinen. Vielleicht die Sorge, jemandem etwas schuldig zu sein. Oder vielleicht auch einfach das Gefühl, ich müsste das doch eigentlich alleine schaffen. Doch wer hat eigentlich entschieden, dass wir alles alleine schaffen müssen? Stell dir einmal vor, du möchtest einen schweren Tisch, eine Treppe hinauftragen.
Du könntest versuchen, ihn alleine hochzutragen. Vielleicht schaffst du es sogar. Du kämpfst dich Stufe für Stufe nach oben. Du verrenkst dich. Du brauchst unglaublich viel Kraft. Und am Ende bist du völlig erschöpft. Oder jemand nimmt einfach die andere Seite. Der Tisch ist immer noch derselbe. Die Treppe ist immer noch dieselbe. Und auch das Ziel ist dasselbe. Nur die Last verteilt sich plötzlich auf zwei Menschen. Warum empfinden wir genau das bei körperlichen Dingen häufig als vollkommen logisch? Aber bei unserem Leben manchmal als Schwäche. Vielleicht wird deine Hilfe anzunehmen gar nicht, ich kann das nicht. Vielleicht bedeutet es manchmal einfach, ich muss es nicht alleine machen.
Und ich glaube, genau dieser Unterschied ist unglaublich wichtig. Denn Selbständigkeit ist etwas Wertvolles, Eigenverantwortung ist etwas Wertvolles. Es ist schön, Dinge aus eigener Kraft schaffen zu können. Aber Eigenverantwortung bedeutet vielleicht nicht, alles alleine tragen zu müssen. Vielleicht bedeutet sie manchmal sogar, rechtzeitig zu erkennen, hier würde Unterstützung mir guttun. Und genau dort möchte ich heute mit dir genauer hinschauen. Nicht bei der Frage, kannst du alles alleine schaffen, sondern bei einer ganz anderen. Kannst du es auch zulassen, dass jemand für dich da ist? Ich glaube, genau diese Frage ist für viele Menschen schwieriger zu beantworten, als man zunächst denkt. Denn vielleicht bist du jemand, der unglaublich gut darin ist, zu geben.
Du hörst zu, du unterstützt, du hilfst, du bist da. Und vielleicht fühlt sich das für dich sogar vollkommen selbstverständlich an. Doch sobald sich die Rollen umdrehen, entsteht plötzlich ein ganz anderes Gefühl. Jemand bietet dir Hilfe an und deine erste Reaktion ist, nein, nein, alles gut. Jemand möchte dir etwas abnehmen und du sagst, ach, das musst du doch nicht. Jemand fragt, kann ich irgendetwas für dich tun? Und obwohl dir sofort etwas einfallen würde, antwortest du, nein danke, ich komme klar. Warum eigentlich? Warum fällt es uns manchmal leichter, drei Stunden für einen anderen Menschen da zu sein, als selbst zehn Minuten Unterstützung anzunehmen?
Ich glaube, ein Grund dafür kann sein, dass Geben sich für uns sicherer anfühlt. Wenn wir geben, entscheiden wir. Wir entscheiden wie viel. Wir entscheiden wann. Wir entscheiden, auf welche Art. Beim Empfangen passiert etwas anderes. Wir müssen ein Stück weit loslassen. Wir müssen zulassen, dass jemand anderes etwas für uns tut. Und vielleicht müssen wir sogar darauf vertrauen, dass dieser Mensch es gerne macht. Genau das fällt manchen Menschen unglaublich schwer. Denn vielleicht entsteht sofort der Gedanke, jetzt schulde ich ihm was. Und plötzlich ist Hilfe keine Hilfe mehr. Sie fühlt sich wie eine Rechnung an, die irgendwann bezahlt werden muss.
Vielleicht kennst du das. Jemand tut etwas Schönes für dich. Und anstatt es einfach anzunehmen, beginnt dein Kopf sofort zu rechnen, wie kann ich mich revanchieren? Was kann ich zurückgeben? Jetzt muss ich beim nächsten Mal aber auch. Und natürlich ist Gegenseitigkeit in Beziehungen etwas Schönes. Aber vielleicht muss nicht jede liebevolle Geste sofort ausgeglichen werden. Stell dir einmal vor, jemand schenkt dir einen Blumenstrauß. Und anstatt dich über die Blumen zu freuen, holst du sofort dein Portemonnaie heraus und fragst, was schulde ich dir? Irgendetwas an diesem Moment würde verloren gehen. Denn ein Geschenk lebt vielleicht auch davon, dass jemand bereit ist, es anzunehmen. Und vielleicht ist Hilfe manchmal genau das.
ein Geschenk. Nicht immer. Natürlich gibt es Beziehungen, in denen Erwartungen an Hilfe geknüpft werden. Und natürlich dürfen wir auch darauf achten. Aber vielleicht gibt es genauso viele Situationen, in denen ein Mensch wirklich einfach für uns da sein möchte. Und wir lassen es nicht zu. Vielleicht sagen wir, ich möchte niemandem zur Last fallen. Diesen Satz finde ich unglaublich spannend. Denn stell dir einmal vor, ein Mensch, den du von Herzen liebst, würde zu dir kommen und sagen, mir geht es gerade nicht gut. Kannst du kurz für mich da sein? Würdest du diesen Menschen als Last empfinden? Wahrscheinlich nicht. Vielleicht würdest du dich sogar freuen, dass er dir genug vertraut, um dich zu fragen. Warum gehen wir dann
so selbstverständlich davon aus, dass wir selbst für andere eine Belastung wären? Vielleicht entscheiden wir damit etwas für den anderen Menschen, das er selbst gar nicht entschieden hat. Wir sagen innerlich, ich möchte dich nicht belasten. Aber vielleicht würde dieser Mensch sagen, du belastest mich überhaupt nicht. Ich möchte für dich da sein. Und vielleicht nehmen wir ihm sogar ein Stück weit die Möglichkeit dazu, wenn wir jede Hilfe sofort ablehnen. Denn Beziehungen leben nicht nur davon, dass wir geben. Sie leben auch davon, dass wir empfangen können. Stell dir eine Beziehung einmal wie eine Tür vor. Wenn diese Tür nur in eine Richtung aufgeht, kann immer nur einer hindurch gehen. Vielleicht braucht echte Verbindung aber Bewegung in beide Richtungen.
Mal bin ich für dich da, mal bist du für mich da, mal trage ich ein Stück, mal trägst du ein Stück und niemand muss dabei genau Buch führen, wer wann wie viel getragen hat. Vielleicht ist genau das Vertrauen. Zu wissen, ich darf geben, aber ich darf auch empfangen. Und vielleicht ist Hilfe anzunehmen deshalb gar nicht das Gegenteil von Selbständigkeit. Vielleicht ist es ein Teil von Beziehung. Denn kein Mensch lebt vollkommen unabhängig von anderen. Wir alle brauchen irgendwann jemanden. Manchmal praktisch, manchmal emotional, manchmal nur für ein Gespräch. Und manchmal vielleicht einfach jemanden, der neben uns sitzt und sagt, du musst gerade
gar nichts erklären. Ich bin einfach da. Vielleicht dürfen wir deshalb anfangen, Hilfe nicht nur danach zu beurteilen, ob wir sie unbedingt brauchen, sondern auch danach, ob sie uns guttun würde. Denn zwischen ich kann das alleine und ich muss das alleine machen, liegt ein großer Unterschied. Vielleicht kannst du es alleine. Aber vielleicht musst du es trotzdem nicht. Und vielleicht beginnt genau dort etwas, das vielen Menschen schwerfällt. Nicht erst dann Hilfe anzunehmen, wenn gar nichts mehr geht, sondern vielleicht schon dann, wenn das Leben ein kleines bisschen leichter werden dürfte. Und genau dabei muss ich an einen Menschen denken, den ich begleiten durfte. Jemanden, der sehr lange versucht hatte, alles alleine hinzubekommen.
Wenn ein Problem auftauchte, wurde erst einmal selbst nach einer Lösung gesucht. Wenn es gesundheitlich nicht gut ging, wurde weitergemacht. Wenn etwas belastend war, wurde versucht, irgendwie damit zurechtzukommen. Und Unterstützung kam eigentlich immer erst ganz am Ende. Erst dann, wenn die eigenen Möglichkeiten beinahe vollständig ausgeschöpft waren. Irgendwann haben wir darüber gesprochen und ich habe gefragt, warum hast du dir eigentlich nicht schon früher Unterstützung geholt? Und die Antwort war sinngemäß. so schlimm war es doch vorher noch nicht. Dieser Satz ist mir in Gedächtnis geblieben. Denn vielleicht kennst du ihn auch. So schlimm ist es doch noch nicht. Wir sagen ihn bei körperlichen Beschwerden, bei Stress, bei emotionalen Belastungen, bei Problemen im
Alltag. Und irgendwie entsteht dadurch eine merkwürdige Vorstellung. Hilfe darf ich erst annehmen, wenn es schlimm genug geworden ist. Doch woher kommt diese Idee eigentlich? Stell dir einmal vor, dein Auto macht plötzlich ein ungewöhnliches Geräusch. Du hörst es, du weißt, irgendetwas ist anders. Aber das Auto fährt noch. Also sagst du, so schlimm ist es doch noch nicht. Am nächsten Tag wird das Geräusch etwas lauter. Aber das Auto fährt immer noch. Also machst du weiter. Und irgendwann bleibst du vielleicht tatsächlich stehen. Natürlich muss nicht jedes kleine Geräusch bedeuten, dass etwas Großes dahinter steckt. Aber vielleicht wäre es trotzdem
sinnvoll gewesen, einmal früher hinzuschauen. Und ich glaube, genau das lässt sich ja viele Bereiche unseres Lebens übertragen. Wir müssen nicht warten, bis etwas eskaliert, bevor Unterstützung berechtigt ist. Wir müssen nicht vollkommen erschöpft sein, bevor wir uns eine Pause erlauben. Wir müssen nicht vollkommen überfordert sein, bevor wir jemanden um Unterstützung bitten. Und wir müssen auch nicht erst an einen Punkt angekommen sein, an dem wir selbst überhaupt keinen Ausweg mehr sehen. Vielleicht dürfen wir Hilfe viel früher betrachten. Nicht als Notlösung, sondern als Möglichkeit. Denn wenn du jemanden nach dem Weg fragst, weil du dich in einer fremden Stadt nicht auskennst, denkst du wahrscheinlich auch nicht, ich habe versagt. Du denkst, dieser Mensch kennt sich hier vielleicht besser aus als ich.
Und vielleicht ist Unterstützung manchmal genau das. Ein anderer Mensch sieht etwas, das wir gerade nicht sehen. Er kennt einen Weg, den wir noch nicht kennen. Er hat Erfahrungen, die wir nicht haben. Oder er hat einfach gerade Kraft übrig, während unsere eigene vielleicht etwas weniger geworden ist. Das macht uns nicht kleiner. Es macht uns nicht unfähiger. Es bedeutet lediglich, dass wir nicht alles wissen und nicht alles alleine können müssen. Und eigentlich ist das vollkommen menschlich. Denn wenn wir ehrlich sind, besteht fast alles, was wir heute können, auch aus Dingen, die uns irgendwann jemand anderes gezeigt hat. Jemand hat uns Lesen beigebracht. Jemand hat uns gezeigt, wie wir Fahrrad fahren.
Jemand hat uns etwas an unserem Beruf beigebracht. Wir haben Bücher gelesen, Gespräche geführt, von anderen Menschen gelernt. Und unser ganzes Leben besteht aus Unterstützung. Und trotzdem entwickeln wir irgendwann die Vorstellung, jetzt müsste ich aber alles alleine schaffen. Vielleicht ist genau das ein Widerspruch. Denn wir kommen im Leben überhaupt erst so weit, weil Menschen voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen. Warum sollte das plötzlich aufhören? Und vielleicht gibt es noch einen Gedanken, den ich bei diesem Thema besonders wichtig finde. Hilfe anzunehmen bedeutet nicht automatisch Verantwortung abzugeben. Du bleibst verantwortlich für dein Leben. Du triffst deine Entscheidungen. Du entscheidest, welche Unterstützung
zu dir passt. Und du darfst auch Nein sagen, wenn sich eine Hilfe für dich nicht richtig anfühlt. Aber Eigenverantwortung kann eben auch bedeuten, zu erkennen, hier komme ich gerade mit Unterstützung besser weiter. Stell dir vor, du möchtest ein Haus bauen. Du könntest theoretisch versuchen, jeden einzelnen Beruf selbst zu lernen. Elektrik, Sanitär, Dachdecken, Maurerarbeiten. Vielleicht könntest du dir über Jahre hinweg all dieses Wissen ereignen. Aber wahrscheinlich würdest du irgendwann sagen, für manche Dinge hole ich jemanden dazu, der sich damit auskennt. Nicht, weil du versagt hast, sondern weil es sinnvoll ist. Und vielleicht dürfen wir uns selbst genauso betrachten. Wir müssen nicht in jedem Bereich unseres Lebens unser eigener Experte sein. Manchmal
dürfen wir jemanden fragen. Manchmal dürfen wir uns begleiten lassen. Manchmal dürfen wir eine ausgestreckte Hand einfach annehmen. Und vielleicht ist genau das der Punkt. Hilfe anzunehmen bedeutet nicht, dass du deinen Weg nicht selbst gehst. Es bedeutet nur, dass du nicht jeden Meter davon alleine gehen muss. Vielleicht sollten wir deshalb nicht erst fragen, ist es schon schlimm genug, dass ich Hilfe brauche? Sondern, manchmal viel früher, würde Unterstützung meinen Weg gerade ein Stück leichter machen. Denn vielleicht muss das Leben nicht erst unerträglich schwer werden, bevor wir uns erlauben, etwas von seinem Gewicht abzugeben. Und genau in diesem Punkt möchte ich noch einen Schritt tiefer gehen. Denn vielleicht ist es gar nicht erst die Hilfe selbst, die uns
manchmal so schwer fällt. Vielleicht ist es das, was Hilfe annehmen von uns verlangt. Vertrauen. Denn in dem Moment, in dem wir einen anderen Menschen an uns heranlassen, geben wir ein kleines Stück Kontrolle ab. Wir sagen, ich zeige dir gerade etwas von mir, das ich nicht alleine lösen möchte. Ich lasse dich an etwas teilhaben. Und vielleicht sogar, ich vertraue dir genug, um dich näher heranzulassen. Das kann sich unglaublich verletzlich anfühlen. Denn solange wir alles mit uns selbst ausmachen, behalten wir die Kontrolle darüber, was andere von uns sehen. Wir entscheiden, was wir erzählen. Wir entscheiden, wie viel wir zeigen. Und wir entscheiden, was wir lieber für uns behalten. Doch wenn wir wirklich Unterstützung annehmen möchten,
müssen wir manchmal eine Tür öffnen. Und wir wissen vorher nicht immer genau, was passiert, wenn jemand hindurch geht. Vielleicht haben wir in der Vergangenheit erlebt, dass jemand unser Vertrauen enttäuscht hat. Vielleicht haben wir um Hilfe gebeten und wurden nicht ernst genommen. Vielleicht haben wir etwas Persönliches erzählt und später bereut, dass wir es getan haben. Oder vielleicht haben wir einfach gelernt, wenn ich mich nur auf mich selbst verlasse, kann ich auch nicht enttäuscht werden. Und vielleicht hat uns dieser Gedanke irgendwann sogar geschützt. Das finde ich wichtig, denn nicht jede Mauer, die wir irgendwann aufgebaut haben, war von Anfang an etwas Schlechtes. Manche Mauern haben einmal einen guten Grund gehabt.
Die Frage ist nur, brauchen wir sie heute noch genauso? Stell dir vor, du baust während eines Unwetters eine Schutzmauer um dein Haus. In diesem Moment ist diese Mauer sinnvoll. Sie schützt dich. Doch irgendwann ist das Unwetter vorbei. Die Sonne scheint wieder und trotzdem bleibt die Mauer stehen. Vielleicht schützt sie dich weiterhin davor, dass etwas hineinkommt. Aber gleichzeitig verhindert sie vielleicht auch, dass du hinausgehen kannst. Und ich glaube, genauso können manche Strategien in unserem Leben funktionieren. Ich mache alles alleine. Ich brauche niemanden. Ich verlasse mich lieber nur auf mich selbst. Vielleicht hat uns das irgendwann geholfen. Vielleicht hat es uns unabhängig gemacht.
Vielleicht hat es uns durch eine schwierige Zeit getragen. Aber vielleicht dürfen wir irgendwann überprüfen, hilft mir dieser Gedanke heute noch? Oder hält er mir inzwischen auch Menschen auf Abstand, die es eigentlich gut mit mir meinen? Denn Hilfe anzunehmen bedeutet natürlich nicht, jedem Menschen blind zu vertrauen. Vertrauen darf wachsen. Wir dürfen entscheiden, wem wir uns öffnen. Wir dürfen Grenzen haben. Und wir dürfen genau hinschauen, welche Unterstützung sich für uns richtig anfühlt. Aber wenn wir aus Angst vor Enttäuschung überhaupt niemanden mehr an uns heranlassen, schützen wir uns vielleicht nicht nur noch vor schlechten Erfahrungen. Wir schützen uns möglicherweise auch vor Guten, vor Nähe, vor Verbundenheit, vor dem Gefühl, ich muss gerade
nicht alleine sein. Und vielleicht ist genau das einer der schönsten Aspekte von Hilfe. Sie nimmt uns nicht nur Arbeit oder Belastung ab. Sie kann uns auch zeigen, da ist jemand. Jemand sieht mich. Jemand nimmt wahr, dass es mir gerade nicht gut geht. Und jemand ist bereit, ein Stück mit mir zu gehen. Vielleicht kennst du das sogar aus der anderen Perspektive. Vielleicht hat sie dir schon einmal einen Mensch anvertraut und anstatt zu denken, warum belastet der mich jetzt damit, hast du vielleicht etwas ganz anderes gespürt. Vertrauen. Vielleicht sogar Dankbarkeit darüber, dass dieser Mensch ausgerechnet dich ausgewählt hat. Und genau deshalb dürfen wir uns vielleicht einmal fragen, warum glauben wir eigentlich, dass andere Menschen uns automatisch als Belastung
empfinden würden. Vielleicht ist es manchmal genau anders herum. Vielleicht kann es für einen Menschen sogar etwas sehr Verbindendes sein, für uns da sein zu dürfen. Denn Beziehungen entstehen nicht nur in den schönen Momenten. Manchmal entstehen die tiefsten Verbindungen genau dort, wo ein Mensch sagt, ich brauche dich gerade und der andere antwortet, ich bin da. Vielleicht ist Hilfe anzunehmen, deshalb nicht nur ein Zeichen von Vertrauen. Vielleicht ist es manchmal sogar eine Möglichkeit, Beziehungen überhaupt erst wirklich zuzulassen. Denn wenn wir unser ganzes Leben nur geben, zeigen wir anderen Menschen nur eine Seite von uns. Die Seite, die helfen kann. Die Seite, die etwas zu geben hat. Doch vielleicht gehört zu echter Nähe auch die andere Seite.
Die Seite, die einmal etwas braucht. Die Seite, die nicht alles weiß. Die Seite, die jemanden an sich heranlässt. Und vielleicht müssen wir deshalb gar nicht lernen, abhängig von anderen Menschen zu werden. Darum geht das überhaupt nicht. Vielleicht dürfen wir einfach lernen, dass Unabhängigkeit und Verbundenheit gleichzeitig existieren können. Ich kann mein eigenes Leben führen, meine eigenen Entscheidungen treffen, Verantwortung für mich übernehmen und Und trotzdem darf ich Menschen an meiner Seite haben. Vielleicht ist das sogar ein schönes Bild. Du gehst deinen eigenen Weg. Niemand kann ihn für dich gehen. Aber das bedeutet nicht, dass niemand neben dir laufen darf. Manche Menschen begleiten dich vielleicht nur ein kurzes Stück.
Andere sehr lange. Manche zeigen dir einen Weg, den du vorher nicht gesehen hast. Und manchmal reicht vielleicht schon jemand, der einfach ein Stück neben dir läuft. nicht um deinen weg für dich zu gehen sondern damit du ihn nicht immer alleine gehen musst vielleicht ist genau das der gedanke den ich dir aus diesem abschnitt mitgeben möchte hilfe anzunehmen bedeutet nicht die verantwortung für dein leben abzugeben es bedeutet manchmal einfach einem anderen menschen zu erlauben ein stück dieses lebens mit dir zu tragen und genau diesen Gedanken möchte ich heute zum Abschluss noch einmal bei dir lassen. Denn vielleicht gibt es gerade etwas in deinem Leben, das du schon sehr lange alleine trägst. Vielleicht ein Problem,
eine Entscheidung, eine Belastung, vielleicht etwas Gesundheitliches oder vielleicht einfach einen Gedanken, den du bisher mit niemandem geteilt hast. Und vielleicht hast du dir bisher immer gesagt, das schaffe ich schon. Vielleicht schaffst du es sogar. Aber vielleicht ist genau das gar nicht die entscheidende Frage. Vielleicht dürfen wir uns viel häufiger fragen, muss ich es wirklich alleine schaffen? Denn nur weil du etwas alleine tragen kannst, bedeutet das nicht automatisch, dass du es auch alleine tragen musst. Und deshalb möchte ich dir heute wieder eine Reflexionsfrage mitgeben. In welchem Bereich deines Lebens versuchst du gerade etwas alleine zu obwohl Unterstützung deinen Weg vielleicht leichter machen würde?
Lass diese Frage ruhig einen Moment wirken. Vielleicht fällt dir sofort etwas ein, vielleicht auch nicht. Und vielleicht geht es dabei gar nicht um etwas Großes. Hilfe muss nicht immer bedeuten, dass jemand unser gesamtes Problem löst. Vielleicht bedeutet Hilfe manchmal nur, jemanden anzurufen. ein Gespräch zu führen, eine Aufgabe abzugeben, eine Frage zu stellen, einen Rat einzuholen oder einfach einmal ehrlich zu sagen, mir ist es gerade ein bisschen viel. Vielleicht beobachtest du dich in den nächsten Tagen einmal. Was passiert in dir, wenn dir jemand Hilfe anbietet?
Ist dein erster Impuls, ja, danke, oder sagst du automatisch, nein, alles gut, Und wenn du merkst, dass du Hilfe sofort ablehnst, dann frag dich vielleicht einfach einmal, warum eigentlich? Weil ich sie wirklich nicht brauche? Oder weil es mir unangenehm ist, sie anzunehmen? Weil ich niemanden belasten möchte? Weil ich das Gefühl habe, etwas zurückgeben zu müssen? Oder weil ich glaube, dass ich es alleine schaffen sollte? Du musst deshalb nicht plötzlich jede Hilfe annehmen. Darum geht es überhaupt nicht. Vielleicht geht es zunächst nur darum, die eigene Reaktion ein bisschen besser kennenzulernen. Denn manchmal sagen wir Nein zur Unterstützung, bevor wir überhaupt darüber nachgedacht haben,
ob sie uns guttun könnte. Und natürlich interessiert mich auch heute wieder deine Erfahrung. Deshalb meine Community-Frage an dich. Fällt es dir leichter, anderen Menschen zu helfen oder Selbsthilfe anzunehmen? Und wenn dir das Annehmen schwerer fällt, weißt du warum? Wenn du über Spotify hörst, freue ich mich, wenn du mir direkt unter dieser Folge einen Kommentar da lässt. Oder du schreibst mir auf Instagram unter Vitalis Zentrum. Ich lese jede Nachricht und jeden Kommentar persönlich. Und vielleicht greife ich deine Gedanken oder deine Geschichte sogar in einer der nächsten Folgen auf. Denn ich glaube, gerade bei diesem Thema können wir viel voneinander lernen. Vielleicht merken wir sogar, viele Menschen, die unglaublich gerne für andere da sind,
haben selbst Schwierigkeiten damit, jemanden für sich da sein zu lassen. Und vielleicht dürfen wir genau das ein kleines Stück verändern. Nicht indem wir unsere Selbstständigkeit aufgeben, nicht indem wir Verantwortung abgeben, sondern indem wir verstehen, beides darf gleichzeitig existieren. Ich darf selbstständig sein und Unterstützung annehmen. Ich darf meinen eigenen Weg gehen und jemanden neben mir laufen lassen. Ich darf anderen helfen und mir selbst helfen lassen. Und vielleicht ist genau das eine Form von Verbundenheit. Nicht immer nur zu geben, nicht immer nur zu nehmen, sondern beides zulassen zu können. Denn Beziehungen leben vielleicht genau davon. Mal trägt der eine ein bisschen mehr, mal der andere.
Und manchmal tragen zwei Menschen etwas gemeinsam, das für einen allein ziemlich schwer gewesen wäre. Danke, dass du dir heute wieder dabei warst und dir diese Zeit genommen hast. Wenn dir diese Folge gefallen hat oder du dabei an einen Menschen denken musstest, dann teile sie gerne mit ihm. Und denk immer daran, du musst deinen Weg selbst gehen, aber du musst ihn nicht immer alleine gehen. Ich wünsche dir eine gute Zeit. Bis zur nächsten Folge. Dein Patrick vom Vitalis Zentrum.
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