Warum glauben wir, immer stark sein zu müssen?
Viele Menschen sind es gewohnt, stark zu sein. Für andere da zu sein. Verantwortung zu übernehmen. Zu funktionieren. Weiterzumachen.
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Die Folge auf einen Blick
Das nimmst du mit.
- Viele Menschen sind es gewohnt, stark zu sein.
- Für andere da zu sein. Verantwortung zu übernehmen. Zu funktionieren. Weiterzumachen.
- Doch was passiert, wenn aus Stärke irgendwann der Gedanke wird: „Ich darf nicht schwach sein“?
Beschreibung zur Folge
Viele Menschen sind es gewohnt, stark zu sein.
Für andere da zu sein. Verantwortung zu übernehmen. Zu funktionieren. Weiterzumachen.
Doch was passiert, wenn aus Stärke irgendwann der Gedanke wird: „Ich darf nicht schwach sein“?
In dieser Folge sprechen wir darüber, warum es uns oft so schwerfällt, Verletzlichkeit zu zeigen, weshalb wir Stärke häufig mit Durchhalten und Kontrolle verwechseln und warum es manchmal genauso stark sein kann, zuzugeben, dass etwas gerade zu viel ist.
Eine Folge über Verantwortung, Verletzlichkeit, innere Stärke und die Frage, ob wir uns selbst auch dann noch annehmen können, wenn wir einmal nicht funktionieren.
Reflexionsfrage der Folge:
In welchem Bereich deines Lebens glaubst du, immer stark sein zu müssen - und was glaubst du, würde passieren, wenn du es einmal nicht wärst?
Die ganze Folge zum Nachlesen
Automatisch transkribiert. Einzelne Wörter können von der Hörfassung abweichen.
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Und herzlich willkommen bei Körper und Seele. Deinem Gesundheitspodcast. Hier ist Patrick vom Vitalis Zentrum. Schön, dass du heute wieder dabei bist. In der letzten Folge haben wir uns mit einer Frage beschäftigt, die wahrscheinlich jeden von uns betrifft. Warum fällt es uns so schwer, unsere Gefühle zuzulassen? Wir haben darüber gesprochen, dass wir manche Gefühle sehr gerne in unserem Leben haben. Freude, Zufriedenheit, Leichtigkeit, Begeisterung. Und dass es gleichzeitig andere Gefühle gibt, die wir am liebsten möglichst schnell wieder loswerden würden.
Angst, Traurigkeit, Wut, Enttäuschung, Überforderung. Wir haben darüber gesprochen, dass Gefühle nicht automatisch unsere Feinde sind. dass wir ihnen nicht blind folgen müssen aber dass es sich manchmal lohnt ihnen zuzuhören und vielleicht einmal zu fragen was möchtest du mir gerade zeigen die reflexionsfrage aus der letzten folge war deshalb welches gefühl versuchst du in deinem leben am häufigsten wegzudrücken und was würde passieren wenn du ihm einmal zuhören würdest statt es sofort loswerden zu wollen Vielleicht hast du in den vergangenen Tagen einmal darüber nachgedacht.
Vielleicht ist dir sogar eine Situation aufgefallen, in der du gemerkt hast, eigentlich fühle ich gerade etwas. Aber ich möchte nicht, dass jemand anderes es sieht. Und genau dort beginnt für mich die heutige Folge. Denn vielleicht gibt es noch einen weiteren Grund, warum wir manche Gefühle so schwer zulassen können. Vielleicht haben wir irgendwann gelernt, dass bestimmte Gefühle nicht zu dem Bild passen, das wir von uns selbst oder andere von uns haben sollen. Wir möchten stark sein, belastbar, zuverlässig. Wir möchten unser Leben im Griff haben. Wir möchten für andere da sein.
Wir möchten funktionieren. Und vielleicht kennst du diesen Satz. Ich muss stark sein. Vielleicht hast du ihn sogar selbst schon einmal gedacht. Wenn es jemandem in deiner Familie nicht gut ging, wenn du Verantwortung für andere Menschen getragen hast, wenn es auf der Arbeit schwierig wurde, wenn eine Beziehung zu Ende gegangen ist, wenn du einen Verlust erlebt hast. Oder vielleicht auch einfach in einer Phase, in der eigentlich alles zu viel war. Ich muss jetzt stark sein. Dieser Satz klingt zunächst einmal kraftvoll. Und manchmal kann er uns tatsächlich helfen.
Es gibt Situationen im Leben, in denen wir Dinge tragen müssen. In denen wir Verantwortung übernehmen. In denen wir weitermachen, obwohl es gerade schwierig ist. Und daran ist überhaupt nichts falsch. Stärke ist etwas Wertvolles. Die spannende Frage ist für mich deshalb nicht, warum sind wir stark? Sondern, was passiert, wenn wir glauben, dass wir immer stark sein müssen? Wenn aus, ich kann das tragen, irgendwann wird, ich muss das alleine tragen. Wenn aus, ich schaffe das, irgendwann wird, niemand darf merken, dass es mir gerade zu viel ist. Und wenn aus Stärke vielleicht irgendwann eine Rolle wird, die wir gar nicht mehr ablegen können.
Stell dir einmal vor, du trägst einen schweren Rucksack. Am Anfang geht es vielleicht ganz gut. Du läufst los, du gewöhnst dich an das Gewicht. Und wenn dich jemand fragt, soll ich dir etwas abnehmen, sagst du, nein, geht schon. Also läufst du weiter. Der Weg wird länger, der Rucksack wird schwerer. Und irgendwann fragt wieder jemand, brauchst du Hilfe? Und wieder sagst du, nein, alles gut. Vielleicht nicht einmal deshalb, weil wirklich alles gut ist, sondern weil du dich inzwischen daran gewöhnt hast, derjenige zu sein, der seinen Rucksack selbst trägt. Vielleicht bist du sogar der Mensch, der unterwegs noch die Rucksäcke anderer Menschen mitnimmt.
Weil du helfen möchtest. Weil du zuverlässig bist. Weil andere sich auf dich verlassen. Und vielleicht merkt irgendwann niemand mehr, wie schwer dein eigener Rucksack eigentlich geworden ist. Vielleicht nicht einmal du selbst. Ich glaube, genau das erleben unglaublich viele Menschen. Sie funktionieren, sie kümmern sich, sie organisieren, sie arbeiten, sie hören anderen zu, sie lösen Probleme. Und von außen betrachtet wirken sie unglaublich stark. Doch vielleicht gibt es abends diesen einen Moment, wenn niemand mehr etwas von ihnen braucht, wenn es ruhig wird.
Und plötzlich merken sie, eigentlich kann ich gerade nicht mehr. Aber selbst dann kommt vielleicht sofort die nächste Stimme. Stell dich nicht so an. Andere schaffen das doch auch. Du musst da jetzt durch. Du kannst jetzt nicht schwach werden. Und genau da finde ich eine Frage unglaublich spannend. Was bedeutet schwach eigentlich? Ist es schwach zu sagen, mir ist es gerade zu viel? Ist es schwach zu weinen? Ist es schwach nicht sofort eine Lösung zu haben? Ist es schwach zuzugeben, dass man Angst hat? Ist es schwach eine Pause zu brauchen?
Oder ist es vielleicht manchmal sogar unglaublich mutig, genau das auszusprechen. Vielleicht haben wir Stärke irgendwann mit etwas verwechselt. Mit Durchhalten, mit Funktionieren, mit Kontrolle, mit Ich brauche niemanden. Doch vielleicht ist Stärke viel größer als das. Vielleicht kann ein Mensch unglaublich stark sein und trotzdem verletzlich. Vielleicht kann ein Mensch Verantwortung übernehmen und trotzdem sagen, ich brauche gerade Unterstützung. Vielleicht kann jemand für andere da sein und gleichzeitig selbst jemanden brauchen. Und vielleicht kann ein Mensch sogar sagen, ich weiß gerade nicht weiter, ohne deshalb schwach zu sein.
Denn Stärke und Verletzlichkeit müssen vielleicht gar keine Gegensätze sein. Vielleicht haben wir nur irgendwann gelernt, sie so zu betrachten. Und genau deshalb möchte ich heute gemeinsam mit dir einer Frage nachgehen. Warum glauben wir eigentlich, immer stark sein zu müssen? Woher kommt dieser Druck? Warum fällt es manchen Menschen so schwer, die starke Rolle auch einmal abzulegen? Und was passiert eigentlich mit uns, wenn wir über Jahre versuchen, für jeden stark zu sein, nur nicht ehrlich zu uns selbst? Denn vielleicht besteht wirkliche Stärke gar nicht darin, niemals etwas fallen zu lassen. Vielleicht besteht sie manchmal auch darin, zu erkennen, wann etwas zu schwer geworden ist
um es weiterhin alleine zu tragen. Aber woher kommt eigentlich dieser Gedanke, ich muss stark sein? Ich glaube, dafür gibt es nicht die eine Antwort. Manche Menschen haben vielleicht schon sehr früh Verantwortung übernommen. Für Geschwister, für die Familie, für andere Menschen. Andere haben irgendwann erlebt, wenn ich funktioniere, bekomme ich Anerkennung. Dann hören wir Sätze wie, auf dich kann man sich immer verlassen. Du kriegst das schon hin. Du bist doch stark. Und natürlich sind solche Sätze zunächst einmal etwas Schönes. Es tut gut, wenn andere Menschen uns etwas zutrauen.
Doch vielleicht kann daraus irgendwann auch eine Rolle entstehen. Die Rolle des Menschen, der immer alles im Griff hat. Derjenige, der die Probleme löst. Derjenige, der zuhört. Derjenige, der weitermacht. Derjenige, um den man sich keine Sorgen machen muss. Und je länger wir diese Rolle tragen, desto schwieriger kann es vielleicht werden, sie auch einmal abzulegen. Denn plötzlich geht es nicht mehr nur darum, stark zu sein. Es geht darum, das Bild aufrecht zu erhalten, das andere von uns haben. Vielleicht kennst du einen Menschen, bei dem jeder sagt, der schafft das schon.
Und vielleicht ist genau dieser Satz manchmal das Problem. Denn wenn alle glauben, dass du alles schaffst, fragt irgendwann vielleicht niemand mehr, wie geht es dir eigentlich wirklich. Und manchmal fragen wir es uns selbst nicht einmal mehr. Ich finde, man kann sich das ein bisschen wie eine Säule vorstellen. Eine Säule trägt, sie hält etwas, andere können sich auf sich verlassen. Aber niemand schaut eine Säule an und fragt, wie viel Gewicht kannst du eigentlich noch tragen. Wir sehen nur, sie steht. Und solange sie steht, gehen wir davon aus, dass alles in Ordnung ist. Vielleicht machen wir das mit Menschen manchmal genauso.
Wir sehen jemanden arbeiten, lachen, sich kümmern, seinen Alltag erledigen und denken, dem geht es gut. Aber Funktionieren und Wohlbefinden sind nicht immer dasselbe. Und vielleicht machen wir genau diesen Fehler auch bei uns selbst. Solange wir morgens aufstehen, solange wir zur Arbeit gehen, solange wir unsere Aufgaben erledigen, solange wir für andere da sind, denken wir, es geht doch noch. Doch, es geht noch. Ist etwas anderes als, es geht mir gut. Und genau deshalb finde ich es wichtig, dass wir Stärke nicht nur daran messen, wie viel ein Mensch aushält.
Denn vielleicht ist die viel wichtigere Frage, warum glauben wir überhaupt, dass wir unseren Wert dadurch beweisen müssen, wie viel wir tragen können. Manchmal steckt dahinter vielleicht die Angst, andere zu enttäuschen. Manchmal die Sorge zur Belastung zu werden. Oder der Gedanke, andere haben selbst genug Probleme, ich möchte ihnen nicht auch noch meine aufladen. Und dann sagen wir, alles gut, obwohl gar nicht alles gut ist. Wir lächeln, wir machen weiter und vielleicht passiert etwas Interessantes. Je überzeugender wir darin werden, stark zu wirken, desto weniger sehen andere Menschen, dass wir eigentlich Unterstützung gebrauchen könnten.
Es ist ein bisschen so, wie bei einem Schauspieler, der seine Rolle so lange gespielt hat, dass irgendwann niemand mehr weiß, wie es hinter der Bühne aussieht. Und vielleicht weiß er es irgendwann selbst nicht mehr so genau. Deshalb glaube ich, dass wir uns hin und wieder eine ganz einfache Frage stellen dürfen. Bin ich gerade wirklich stark oder versuche ich nur stark zu wirken? Denn das ist nicht dasselbe. Wirkliche Stärke darf vielleicht auch ehrlich sein. Sie darf sagen, heute geht es mir nicht gut. Das hat mich verletzt. Ich weiß gerade nicht weiter. Ich brauche einen Moment.
Und vielleicht verliere mir dadurch gar keine Stärke. Vielleicht hören wir nur auf, sie ständig beweisen zu müssen. Und genau dazu fällt mir ein Beispiel aus meiner Arbeit ein. Ich hatte einmal einen Menschen vor mir sitzen, der nach außen unglaublich gefestigt wirkte. Beruflich viel Verantwortung, privat für viele Menschen da. Wenn irgendwo ein Problem auftauchte, war er meistens einer der Ersten, der versucht hat, eine Lösung zu finden. Und im Gespräch fiel immer wieder ein Satz. Das kriege ich schon hin. Egal, worüber wir gesprochen haben, das kriege ich schon hin. Irgendwann habe ich ihn gefragt, und wer ist eigentlich für dich da, wenn du es mal nicht hinkriegst?
Und da wurde es plötzlich still. Nicht weil es darauf überhaupt keine Antwort gab, sondern ich glaube, weil diese Frage in seinem Leben kaum eine Rolle gespielt hatte. Er war es gewohnt, gebraucht zu werden, aber nicht daran, selbst jemanden zu brauchen. Und ich finde, genau darin steckt etwas unglaublich Spannendes. Denn manchmal gibt uns die Rolle des Starken auch Sicherheit. Wenn ich derjenige bin, der anderen hilft, muss ich meine eigene Hilflosigkeit vielleicht nicht zeigen. Wenn ich Lösungen für andere finde, muss ich nicht sagen, dass ich selbst gerade keine habe. Und wenn ich immer sage, ich schaffe das, muss ich mich vielleicht auch nicht mit der Möglichkeit beschäftigen,
dass ich etwas gerade nicht schaffe. Dabei ist dieser Satz eigentlich völlig menschlich. Ich schaffe das gerade nicht alleine. Aber für manche Menschen fühlt er sich beinahe wie ein Versagen an. Und vielleicht liegt ja noch hier ein Missverständnis. Denn stell dir einmal einen Bergsteiger vor. Würdest du sagen, er ist schwach, weil er sich an seinem Seil sichert? Würdest du sagen, er ist schwach, weil er einem anderen Menschen die Hand reicht? Oder weil er merkt, diesen Abschnitt gehe ich besser nicht alleine? Wahrscheinlich nicht, oder? Im Gegenteil. Vielleicht würden wir sogar sagen, er kennt seine Grenzen. Er schätzt die Situation ein.
Und er übernimmt Verantwortung für sich. Warum bewerten wir genau dasselbe bei uns selbst manchmal so anders? Warum soll es Stärke sein, möglichst lange alles alleine auszuhalten? Vielleicht zeigt sich Stärke manchmal gerade darin, ehrlich zu erkennen, bis hierhin konnte ich es alleine tragen. Aber jetzt brauche ich jemanden. Bei den Menschen aus meinem Beispiel ging es deshalb am Ende gar nicht darum, weniger stark zu werden. Das fand ich besonders wichtig, denn seine Stärke war etwas Schönes. Seine Zuverlässigkeit, seine Hilfsbereitschaft, seine Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. All das musste nicht verschwinden. Es durfte nur etwas dazukommen.
Die Erlaubnis, nicht immer der Starke sein zu müssen. Und vielleicht ist das ein wichtiger Unterschied. Wir müssen unsere Stärke nicht ablegen. Wir dürfen unser Bild von Stärke erweitern. Vielleicht ist Stärke nicht nur, ich halte durch Vielleicht ist Stärke auch, ich bin ehrlich Vielleicht ist Stärke nicht nur, ich helfe dir Sondern manchmal auch, kannst du mir helfen? Und vielleicht ist Stärke nicht nur, ich habe alles unter Kontrolle Sondern auch, ich weiß gerade nicht weiter Denn wenn Stärke nur bedeutet, niemals jemanden zu brauchen Dann kann sie irgendwann ziemlich einsam werden
Und vielleicht ist genau das die Frage, die wir uns stellen dürfen. Was kostet es uns eigentlich, wenn wir unser ganzes Leben versuchen, für alle anderen der starke Mensch zu sein? Denn vielleicht tragen wir dann irgendwann nicht nur einen schweren Rucksack. Vielleicht sorgen wir gleichzeitig dafür, dass niemand überhaupt weiß, dass es schwer ist. Und genau an diesem Punkt möchte ich noch eine Frage stellen. Was passiert eigentlich mit unserem Bild von uns selbst, wenn wir einmal nicht stark sein können? wenn wir nicht funktionieren, wenn wir keine Lösung haben, wenn wir müde sind, wenn wir weinen, wenn wir sagen müssen, ich kann gerade nicht.
Vielleicht ist genau das für manche Menschen so schwer, weil Stärke irgendwann nicht mehr nur etwas ist, das sie haben, sondern etwas, das sie glauben, sein zu müssen. Ich bin derjenige, der alles schafft. Ich bin diejenige, die immer für alle da ist. Ich bin derjenige, der nicht zusammenbricht. Und dann fühlt sich ein Moment der Schwäche plötzlich nicht mehr nur wie ein schwieriger Moment an. Er fühlt sich vielleicht an, als würde etwas an unserem gesamten Selbstbild wackeln. Doch vielleicht dürfen wir uns einmal fragen, wer bin ich eigentlich, wenn ich gerade nichts leisten muss? Wenn ich niemandem helfen muss?
Wenn ich kein Problem lösen muss? Wenn ich nicht funktionieren muss? Bin ich dann weniger wertvoll? Natürlich würden die meisten von uns wahrscheinlich sofort sagen, nein, aber leben wir auch danach. Denn bei anderen Menschen fällt uns das oft viel leichter. Wenn ein Mensch, den wir lieben, zu uns sagt, ich kann gerade nicht mehr, würden wir wahrscheinlich nicht antworten, dann bist du aber ziemlich schwach. Wir würden vielleicht sagen, komm, setz dich erst einmal. Erzähl mir was los ist. Ich bin da. Warum fällt es uns dann so schwer, uns selbst dieselbe Menschlichkeit zu erlauben?
Vielleicht, weil wir Stärke mit Unverwundbarkeit verwechselt haben. Doch kein Mensch ist unverwundbar. Und vielleicht müssen wir das auch gar nicht sein. Stell dir einmal einen Baum im Sturm vor. Ein stabiler Baum steht fest, aber seine Äste bewegen sich trotzdem im Wind. Sie geben nach, sie bewegen sich mit. Denn etwas, das unter keinen Umständen nachgeben darf, kann irgendwann brechen. Vielleicht ist es bei uns Menschen ähnlich. Stärke muss nicht bedeuten, vollkommen unbeweglich zu sein. Vielleicht gehört zur Stärke auch die Fähigkeit nachzugeben, eine Pause zu machen, sich anzulehnen, etwas abzugeben.
Oder einfach einmal zu sagen, heute bin ich nicht derjenige, der alles trägt. Und vielleicht passiert dann etwas, wovor wir manchmal Angst haben. Andere sehen uns verletzlich. Sie sehen, dass wir nicht alles können. Dass wir nicht immer eine Antwort haben. Dass wir sie sogar vielleicht brauchen. Aber vielleicht verlieren wir dadurch gar nicht den Respekt anderer Menschen. Vielleicht entsteht dadurch manchmal sogar etwas, das vorher gar nicht möglich war. Echte Nähe. Denn solange wir anderen immer nur unsere starke Seite zeigen, Können Sie vielleicht auch nur dieser Seite von uns begegnen?
Wenn wir dagegen sagen, mir geht es gerade nicht gut, geben wir einem anderen Menschen überhaupt erst die Möglichkeit, für uns da zu sein. Und vielleicht ist genau das eine der schwierigsten Erkenntnisse für Menschen, die ihr Leben lang stark waren. Du darfst auch einmal getragen werden. Du musst nicht immer derjenige sein, der trägt. Du darfst Hilfe brauchen. Du darfst einen schlechten Tag haben. Du darfst nicht weiter wissen. Du darfst verletzlich sein. Und nichts davon nimmt dir deine Stärke. Vielleicht macht es deine Stärke sogar menschlicher. Denn wirkliche Stärke zeigt sich vielleicht nicht darin, dass uns niemals etwas zu Boden bringt,
sondern darin, dass wir uns erlauben, auch dort ein Mensch zu bleiben. Mit allem, was dazu gehört. Mit Kraft, aber auch mit Erschöpfung. Mit Mut, aber auch mit Angst. Mit Sicherheit, aber manchmal eben auch mit Zweifel. Vielleicht müssen wir also gar nicht lernen, weniger stark zu sein. Vielleicht dürfen wir einfach aufhören zu glauben, dass Stärke bedeutet, niemals schwach sein zu dürfen. Und genau dazu möchte ich dir heute wieder eine Reflexionsfrage mitgeben. In welchem Bereich deines Lebens glaubst du, immer stark sein zu müssen? Und was, glaubst du, würde passieren, wenn du es einmal nicht wärst?
Vielleicht ist es in deiner Familie, in deiner Partnerschaft, bei deinen Kindern, im Beruf, in deinem Freundeskreis. Oder vielleicht bist du sogar der Mensch, bei dem alle anderen ihre Sorgen abladen, während kaum jemand weiß, wie es eigentlich in dir aussieht. Beobachte dich in den nächsten Tagen vielleicht einfach einmal. Wann sagst du, alles gut, obwohl eigentlich gar nicht alles gut ist? Wann sagst du, ich schaffe das schon, obwohl du dir insgeheim wünschen würdest, dass jemand sagt, du musst es nicht alleine schaffen. Und wann versuchst du vielleicht stark zu wirken, obwohl du eigentlich gerade etwas ganz anderes brauchst.
Es geht dabei nicht darum, von heute auf morgen alles von dir abfallen zu lassen. Und auch nicht darum, Verantwortung abzugeben oder bei jeder Schwierigkeit aufzugeben. Vielleicht geht es zunächst nur darum, ehrlich mit dir selbst zu sein. zu merken, eigentlich ist mir das gerade zu viel. Denn vielleicht beginnt Veränderung manchmal genau dort. Nicht bei dem, was wir nach außen zeigen, sondern bei dem, was wir uns selbst gegenüber endlich zugeben können. Und natürlich interessiert mich auch heute wieder deine Erfahrung. Deshalb meine Community-Frage an dich. Fällt es dir leicht zu zeigen, wenn es dir einmal nicht gut geht?
Oder bist du eher der Mensch, der versucht, alles mit sich selbst auszumachen? Wenn du über Spotify hörst, freue ich mich, wenn du mir direkt unter dieser Folge einen Kommentar da lässt. Oder du schreibst mir auf Instagram unter Vitalis Zentrum. Vielleicht erkennst du dich in diesem Thema wieder. Vielleicht kennst du aber auch einen Menschen, der immer für alle anderen da ist. Einen Menschen, bei dem jeder denkt, der schafft das schon. dann frag diesen Menschen vielleicht einfach einmal. Und, wie geht es eigentlich dir? Nicht nur im Vorbeigehen, sondern so, dass wirklich Platz für eine ehrliche Antwort ist. Denn manchmal brauchen gerade die Menschen, die nach außen am stärksten wirken, einen Ort,
an dem sie es für einen Moment nicht sein müssen. Und vielleicht ist auch das der Gedanke, den ich dir aus dieser Folge besonders mitgeben möchte. Du musst deine Stärke nicht verlieren, um deine Verletzlichkeit zeigen zu dürfen. Beides darf gleichzeitig existieren. Du darfst stark sein und trotzdem müde. Du darfst mutig sein und trotzdem Angst haben. Du darfst für andere da sein und trotzdem selbst jemanden brauchen. Und du darfst auch einmal sagen, heute kann ich nicht alles tragen. Denn vielleicht ist Stärke nicht die Fähigkeit, niemals zusammenzubrechen. Vielleicht ist Stärke auch die Fähigkeit, rechtzeitig zu merken,
dass man nicht alles alleine tragen muss. Danke, dass du heute wieder dabei warst und dir diese Zeit für dich genommen hast. Wenn dir diese Folge gefallen hat oder du dabei an einen Menschen denken musstest, dann teile sie gerne mit ihm. Vielleicht ist genau diese Erinnerung etwas, das dieser Mensch gerade braucht. Und denk immer daran, du musst nicht immer der Starke sein. Manchmal liegt Stärke auch darin, sich selbst zu erlauben, einfach Mensch zu sein. Ich wünsche dir eine gute Zeit. Bis zur nächsten Folge. Dein Patrick vom Vitalis Zentrum.
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